Warum essen wir, obwohl unser Körper gerade keinen Bedarf an Nährstoffen hat? In diesem Artikel möchte ich eine mögliche Herangehensweise an diese vielschichtige Frage aufzeigen.

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Selbstakzeptanz als Grundlage

Für mich ist emotionales Essen – genau wie jedes andere störende Verhalten oder Symptom – der Versuch meines Körpers, eine Lösung für ein Problem zu finden oder mir einen Hinweis zu geben. Ich gehe grundsätzlich davon aus, dass mein Körper es gut mit mir meint und meine Symptomatik einen tieferen Sinn hat, auch wenn ich diesen noch nicht verstehe. Sobald ich bereit bin mir wirklich zuzuhören, können sich neue Lösungen auftun.

Am Anfang steht eine Entscheidung

Wenn ich etwas ändern möchte, braucht es meine Entscheidung, damit auch anzufangen. Und hier kann eine spannende Forschungsreise beginnen. Kurz bevor ich zu einem Lebensmittel greife, kann ich mir vielleicht die Frage stellen: Brauche ich Kalorien/Nährstoffe oder etwas anderes? Was sind meine Bedürfnisse wirklich? Sobald ich in der Tiefe verstanden habe, was ich an Stelle des Essens benötige, kann ich anfangen gut für mich zu sorgen und brauche dann das Essen nicht mehr als Kompensation zu benutzen.

Koffer packen

Bevor wir auf eine Reise gehen, packen wir üblicherweise unseren Koffer. Wenn wir eine Reise zu unseren eigentlichen Bedürfnissen starten, macht es Sinn, Folgendes im Gepäck zu haben:

  • ehrliches Interesse an uns selbst,
  • eine Navigationshilfe oder Kompass,
  • eine Landkarte von den Untergeschossen unseres Bewusstseins,
  • Werkzeuge zur Veränderung
  • und bei den ersten Reisen evtl. eine ortskundige Begleitung, der wir vertrauen.

Ehrliches Interesse bedeutet, dass ich freundlich auf mich schaue und mich öffne für das, was ich mir sagen will. Es geht nicht darum, nur das lästige Signal loszuwerden. Wenn beim Auto eine Warnleuchte blinkt, dann schraubt man ja auch nicht das Lämpchen raus oder überklebt es, sondern man folgt dem Signal bis zum Ursprung und kümmert sich um die Ursache.

Mit Navigationshilfe oder Kompass meine ich einen Zugang zu unserer Intuition, um damit zum Ursprung unseres Hungers zu gelangen. Es gibt einerseits die Möglichkeit, eigenständig auf Forschungsreise zu gehen. Wenn wir noch gut angebunden sind und etwas Erfahrung haben, kann eine ehrliche Frage an unser „Bauchgefühl“ schon ausreichen. Wenn wir uns danach die Ruhe nehmen, auf die Antwort zu lauschen und uns ernst nehmen, kann das bereits eine gute Lösung sein.
Kinesiologische Selbsttests wie das Stehpendeln, der Armlängentest und viele andere Tests können uns die Richtung weisen, wenn wir uns orientieren wollen. Z.B. können wir uns folgende Fragen stellen und individuell beantworten:
Geht es um Kalorien? Ja/Nein. Geht es um Müdigkeit? Ja/Nein. Geht es um Nähe und Geborgenheit? Ja/Nein… und so weiter.

Wenn man seinem roten Faden folgt und in Bereiche gelangt, die man selber nicht mehr alleine bearbeiten kann, kann man sich zum Beispiel durch Psychokinesiologie oder andere Biofeedback-Verfahren unterstützen lassen. Hierbei sollte man bedenken, dass der innere Raum, in dem man den Ursprung und damit die Lösung suchen kann, sich nur so weit öffnet, wie auch der Begleiter bereits geöffnet und geklärt ist.

Als nächstes brauchen wir eine gute und stimmige Landkarte von unseren inneren Landschaften in den Untergeschossen unseres Bewusstseins. Hier unterscheide ich 4 unterschiedliche Ebenen.

Bereits auf der Kellertreppe könnte die Lösung liegen, wenn es „nur“ um die Sachebene geht.
Z.B. Eigentlich bin ich müde und brauche eine Pause. Oder mit ist kalt. Das kompensiere ich mit Essen. Oder ich habe mich über jemanden aufgeregt, schlucke meinen Ärger runter und stopfe Essen nach, damit alles gut gedeckelt ist. Ich bin einsam und wünsche mir Kontakt. Sobald ich mir dessen bewusst geworden bin, kann ich es ändern und für meine Bedürfnisse sorgen.

Wenn mir eine Änderung nicht „mal eben“ möglich erscheint, könnte die nächste Frage sein: Warum kann, darf oder will ich mir die Pause nicht erlauben oder mich wärmer anziehen? Oder meine Gefühle aussprechen und mich mit anderen Menschen verbinden? Damit landen wir dann bereits in einem unserer Untergeschosse.

4 Ebenen

Vielleicht wirkt etwas aus unserer persönlichen Biografie. Einschneidende Erfahrungen aus unserem Leben, vor allem aus der Kindheit haben unsere Emotionen und Glaubensmuster geprägt und wirken bis heute weiter, solange wir uns dessen nicht bewusst werden. Vielleicht haben wir als Kind etwas wirklich gebraucht, z.B. herzlich in den Arm genommen zu werden und Geborgenheit zu spüren, weil wir uns erschreckt hatten oder uns verletzt hatten oder einsam fühlten. Stattdessen gab es etwas zu Essen. Wenn wir dieses Muster tief verinnerlicht haben, greifen wir auch heute noch zu Lebensmitteln, obwohl wir eigentlich emotionale Nahrung bräuchten, Schutz, Trost, Verständnis oder Nähe. Hier sind viele Szenarien denkbar.

In meinem Erleben gibt es noch andere Ebenen und Erfahrungsräume unterhalb der Kindheit, in denen wir nach Ursachen und damit nach Lösungen forschen können. Ob diese Möglichkeiten zur jeweiligen Person passen, kann jeder nur für sich selbst entscheiden. Denn wir können Lösungen nur auf Ebenen finden, die wir als real akzeptieren. Wenn manche Untergeschosse und Kellerräume für unseren Verstand nicht existieren dürfen, werden wir auch die Türen nicht finden und öffnen können.

Es gibt die Ebene des Familiensystems, in dem sowohl hilfreiche als auch traumatische Erfahrungen weitergegeben werden. So kann es sein, dass einer unser Vorfahren stark unter Hunger gelitten hat und wir diese Not durch übermäßiges Essen auszugleichen versuchen.

Auf einer weiteren Ebene sind karmische Erfahrungen gespeichert, also Erinnerungen aus unserer Seelenbiografie. Auch die Ebene der Fremdenergien kann einen starken Einfluss auf unser alltägliches Leben haben. Hier ist zu unterscheiden zwischen individuellen und kollektiven Ursprüngen.

Methoden , die einen Unterschied machen
Wenn wir also durch die verschiedenen Ebenen unseres Kellers gestreift sind und die Quellen für unser Verhalten am Esstisch oder am Kühlschrank gefunden haben, dann können wir uns um die SelbstHeilung kümmern. Auf jeder der Ebenen gibt es vielfältige Werkzeuge zur Veränderung. Auch hier kann die Kinesiologie wieder dabei unterstützen, aus dem schier endlosen Therapiemöglichkeiten eine stimmige Methode passend zur Person zu finden.

Bei Ereignissen aus der persönlichen Biografie braucht es vielleicht eine Innere-Kind-Arbeit oder eine Arbeit mit inneren Stimmen oder eine Klopfakupressur oder Farblichttherapie oder eine Atemsitzung oder, oder, oder…, um blockierte Gefühle wieder in Fluss zu bringen und Glaubenssätze zu entkoppeln. Die Hauptbewegungsrichtung liegt hier darin, abgespaltene und verdrängte Persönlichkeitsanteile, wieder zu sich zurückzuholen und zu integrieren.

Auf der Ebene des Familiensystems dient es niemandem mehr, wenn man zusätzliche Mahlzeiten für bereits Verstorbene isst. In der Tiefe fühlen wir uns vielleicht loyal und verbunden durch Mit-Leid. Aber es dient niemandem mehr. Hier gilt es einen Weg zu finden, die mitgetragenen Probleme an die Vorfahren zurückzugeben, in Würde und Anerkennung.

Auf den karmischen und energetischen Ebenen gibt es wiederum vielfältige Möglichkeiten, zu sich zu nehmen, was dazu gehört und loszulassen, was nicht mehr unterstützt.

All diese Ebenen wirken meines Erachtens in uns, unabhängig davon, ob wir es wollen oder wissen oder abstreiten. Wir leben dann nicht nur unser eigenes Leben, sondern auch das, was in uns aus der Vergangenheit wirkt. Unsere WIRK-lichkeit. Wenn in mir der Glaubenssatz verankert ist: „Ich darf nicht abnehmen!“, oder „Es ist gefährlich für mich, Hunger zu spüren!“, dann wird mein System gut dafür sorgen, dass wir uns an diese Grundregeln halten.

In meiner Wahrnehmung zeigt es sich gerade bei hartnäckigen und langlebigen Symptomen und Verhaltensauffälligkeiten oft so, dass die Ursache nicht nur in einem Einzelereignis liegt. Die an der Oberfläche sichtbare Symptomatik speist sich hier oft aus unterschiedlichen Quellen auf unterschiedlichen Ebenen.

Wenn sich trotz vieler Versuche bisher nicht wirklich etwas verändert hat, bedeutet es für mich nicht, dass diese „nicht richtig“ waren, sondern eher, dass unser System freundlich aber bestimmt darauf hinweist:
„Schau noch mal genau hin, da gibt es noch etwas heimzuholen und zu heilen.“
Manche Lebensthemen brauchen Zeit und lösen sich nur langsam Schicht für Schicht. Hier darf man geduldig und freundlich mit sich sein oder werden.

Es gilt herauszufinden, was in uns wirklich wirkt. Dann können wir oft genug eine stimmige Lösung finden. Wenn die Wirkung der Vergangenheit gelöst ist, können wir anfangen, unsere eigenen Entscheidungen im Hier und Jetzt zu treffen und in die Verantwortung zu gehen für unser Handeln. Wenn die alten Blockaden und Reglementierungen nicht mehr wirken, heißt das nicht, dass man auch nur ein Gramm leichter oder schwerer ist oder dass das eigentliche Bedürfnis schon befriedigt ist. Es bedeutet, dass man jetzt die Bahn frei hat, die gewünschte Veränderung eigenverantwortlich zu gestalten, sein Verhalten aktiv zu verändern und gut für sich zu sorgen.

Unsere Zufriedenheit kann immer größer und selbstverständlicher werden mit jedem Mal, wenn wir uns ernst nehme und uns freundlich und interessiert fragen: Liebling, was brauchst du gerade wirklich?

Autor: Renate Antoni, Heilpraktikerin für Psychotherapie
Thema: Emotionales essen - was wirkt?
Webseite: https://www.lebensbetrAchtung.eu

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