Stimmungstiefs kennt jeder als Reaktion auf ein konkretes Problem. Sie gehen meist vorüber, sobald die auslösenden Ereignisse konstruktiv verarbeitet sind – sobald zum Beispiel der Schmerz über den Verlust eines nahe stehenden Menschen nachlässt oder die Überlastung bei der Arbeit abnimmt.

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Eine unbehandelte Depression dagegen bessert sich in der Regel nicht von selbst. Sie kann unterschiedliche Ursachen haben und auch völlig unabhängig von äußeren Umständen auftreten. Das Wechselbad der Gefühle hält länger an und ist verbunden mit ernsthaften Antriebsproblemen. Störungen mit zwar leichter Ausprägung, jedoch über Jahre anhaltend werden als Zyklothymia oder Dysthymia kodiert. Die Dysthymia wird auch depressive Persönlichkeitsstruktur genannt, eine chronische, mindestens 2 Jahre anhaltende leichtere depressive Störung. Sie beginnt oft im frühen Erwachsenenalter. Selten auch im höheren Alter z.B. nach einem Trauerfall.

Die depressive Persönlichkeitsstörung wirkt sich natürlich bei Betroffenen massiv auf die Familie und das nähere Umfeld aus. Die gedrückte Stimmung wird häufig wie ein Schwamm aufgesaugt und überschattet dann das Familienleben. In Fachkreisen geht man davon aus, dass die Erkrankung in den nächsten Jahren noch weiter steigen wird.

Der Name stammt aus dem griechischen und bedeutet übersetzt: dys = miss, übel und thymos = Lebenskraft, Mut. 

Für die Entstehung gibt es verschiedene Erklärmodelle. Ein Ansatz ist der psychoanalytische Erklärungsansatz.

Dieser geht davon aus, dass eine Störung vorliegt in:

  • der Eltern-Kind Beziehung
  • der oralen Phase
  • dem Gefühl etwas zu entbehren, zu wenig zu bekommen = Mangelerlebnisse
  • Entbehrung elterlicher Zuwendung, auch imaginierter (vorgestellter)
  • dem Gefühl nicht geliebt zu sein
  • einem Mangel an Selbstwert

Dies führt zu:

  • selbst produziertem Versagen
  • dem Aufbau von Abhängigkeitsbeziehungen
  • Aggressionen
  • Enttäuschung
  • Wut, auch sich gegenüber

Im Verlauf der Störung

fehlt dauerhaft die Begeisterungsfähigkeit, Fähigkeit zur Freude, Motivation und Antrieb. Oft begleitet mit Müdigkeit und dem Gefühl alles ist anstrengend. Die Gedanken kreisen häufig, gepaart mit dem Gefühl sowieso nichts tun zu können. Die Anforderungen des Alltags können, wenn auch mit Mühe, bewältigt werden. Die Vitalität und die Selbstsicherheit leiden stark. Die Betroffenen sind unglücklich, bedrückt und niedergeschlagen. Schon Kleinigkeiten können Trauer und Tränen hervorrufen. Positive Ereignisse werden so kaum noch wahrgenommen. Viele leiden darunter Gefühle wie Liebe und Zuwendung nur eingeschränkt wahrzunehmen. Was mitunter zur Hoffnungslosigkeit und einer „inneren Leere“ führt.

Da der Antrieb auch reduziert ist, die Betroffenen sich kaum zu einer Tätigkeit durchringen, beißt sich natürlich die Katze in den Schwanz. Der Wille kann durchaus vorhanden sein. Aber die Kraft- und Lustlosigkeit ohne Eigeninitiative scheint unüberwindbar zu sein. Mit der Zeit wird das Interesse an vielen Dingen verloren. Diese gefühlte Machtlosigkeit aktiv zu werden führt zwangsläufig irgendwann zu starker innerer Unruhe und dem Gefühl permanent unter Strom zu stehen.

Ein weiteres Symptom ist das Gedankenkreisen und Grübeln. Dabei sind die Denkinhalte pessimistisch und sorgenvoll geprägt. Die Entscheidungsfähigkeit ist irgendwann auf ein Minimum heruntergeschraubt.

Daneben treten auch Vitalstörungen auf. Häufig mit Einschlaf- und Durchschlafstörungen, was dann zu Schwierigkeiten führt morgens aus dem Bett zu kommen. Die permanente Schlafstörung führt zur Erschöpfung und Abgeschlagenheit. Bei einer stark ausgeprägten depressive Persönlichkeitsstruktur können die Betroffenen auch chronische Kopfschmerzen und körperlichen Missempfindungen entwickeln. Appetitminderung und in seltenen Fällen kann es zu häufigem Heißhunger kommen.

Die Betroffenen sind aufgrund ihres schwachen Selbstwertes ausgesprochen sensibel und fühlen sich leicht angegriffen. Was wiederum zu Selbstzweifel führt und zu Schuldgefühlen, auch wenn bei näherer Betrachtung keine angebracht sind. In besonders intensiven Fällen empfinden sich Betroffene als Last für Ihr Umfeld und entwickeln suizidale Gedanken.

Der Abwehrmechanismus

Der im Vordergrund stehende Abwehrmechanismus ist die Wendung gegen das „Selbst“, d.h. die Aggressionen richten sich nach innen und dies führt zu selbstschädigendem Verhalten. Der Betroffene sucht bei sich die Schuld und wertet sich ab.

Häufigkeit und Verbreitung einer depressiven Perönlichkeitsstörung

Die Depression gehört zu den häufigsten psychischen Erkrankungen. In den diagnostischen Leitlinien der DGPPN wird der prozentuale Anteil von Erkrankten zu einem bestimmten Zeitpunkt (Punktprävalenz) angegeben. Das Lebenszeitrisiko für eine diagnostizierte Depression liegt laut Selbstauskunft in der ersten Erhebungswelle der aktuellen Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland (DEGS1) bei      11,6 %. Die Lebenszeitprävalenz bei allen affektiven Störungen (Risiko im Laufe des Lebens zu erkranken) wird momentan mit 16-20% der Bevölkerung angegeben. Die Dysthymia wird auf 2% der Bevölkerung geschätzt.

(siehe unter: https://www.dgppn.de/leitlinien-publikationen/leitlinien.html)

Tröstlich im bitteren Sinne ist ein Blick in die Liste berühmter Depressiver – darunter viele kreative Köpfe, Maler, Schriftsteller und Philosophen, von Goethe bis Schopenhauer. Eines ist gewiss, es ist durchaus möglich mit einer depressiven Störung Großes zu vollbringen. Das führt mich nun auch direkt zu dem wichtigsten Thema zu den Behandlungsmöglichkeiten.

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Behandlungswege einer depressiven Persönlichkeitsstruktur

Leiden Sie unter einer chronischen Depression bezieht eine Behandlung im Vorfeld immer eine ärztliche Behandlung mit ein, da Ihr Organismus mit körperlichen Symptomen reagiert und diese behandelt werden müssen – auch kann eine medikamentöse Therapie notwendig sein. Die Genesung steht im Vordergrund und muss fachärztlich zu Beginn erfolgen.

In der darauffolgenden Phase ist psychotherapeutische Unterstützung sehr hilfreich. Die Therapie lässt die Ursache, die Stressoren erkennen und hilft die Resilienz – die seelische Widerstandsfähigkeit – aufzubauen. Dabei kann die Kognitive Verhaltenstherapie und Psychoanalyse gute Erfolge erzielen.

Daneben stehen Methoden aus der Humanistischen Psychotherapie, sowie aus der körperorientierten Psychotherapie die ich hier näher erläutern möchte.

Systemische Therapie

Dieser Methode ist mit vielen Personen verbunden, da sie in einer Zeit der Erneuerung entstand und sich an Impulse aus der Erkenntnistheorie und des Konstruktivismus anlehnte. Stellvertretend seien hier Virginia Satir, Paul Watzlawick etwas ausführlicher genannt.

Virginia Satir ist Familientherapeutin und hat sehr viele Gedanken der Systemtheorie umgesetzt und weiterentwickelt. Sie arbeitete mit ganzen Familien und suchte nach neuen Wegen, das ganze System ihrer Klienten einzubeziehen. Bei ihrer Arbeit stützte sie sich auf ein humanistisches Menschenbild und arbeitete ebenso ganzheitlich wie systembezogen. 

Die systemische Therapie und Beratung beobachtet nicht einzelne Personen, die ein Problem haben, sondern sie fokussiert auf das ganze System, in dem die Person(en) agieren. Ziel ist es, das Klientensystem in die Lage zu versetzen, Probleme selbst zu lösen. Einer der grundlegenden Gedanken der systemischen Therapie und Beratung sind die Rückkopplungsprozesse. Jede Person bezieht sich in ihrem Verhalten auf ein vorausgegangenes Verhalten einer anderen Person – Kommunikation und Verhalten folgen entsprechend. Da ein System im Gleichgewicht bleibt, ist es wichtig, eine Balance zwischen Veränderung und Konstanz zu finden.

Gestaltpädagogik

Im Zentrum der Gestaltpädagogik steht die Wahrnehmung, Würdigung und Bewußtheit seiner Selbst und seiner Umwelt sowie das Ziel, die Selbstkompetenz zu stärken. Durch die Würdigung dieser Kräfte kommt der Klient in Kontakt mit seinen Fähigkeiten, Lösungen für sich zu finden. Dieser Kontakt macht es ihm möglich, eine Balance zwischen Bedürfnissen seines Selbst, seiner Mitmenschen und seiner Umgebung zu entdecken.

Es findet eine Reihe von wundervollen kreativen Verfahren Anwendung und mit Unterstützung erfährt der Klient, durch welche erlernten Mechanismen er sein Wachstumspotential bremst: 

Zum Teil lebenswichtige Reaktionen und Verhaltensweisen wie:

  • Angst, Selbstzweifel, Aggressivität, Wut, Rückzug,
  • Schmerzsymptomatik, Trauer, Aufopferung
  • und auch Folgen wie nicht gelöste Konflikte,
  • Verletzungen bis zum Substanzmissbrauch

treten in verschiedenen Situationen auf, werden zum Teil einseitig übersteigert und behindern so die natürliche Fähigkeit jedes Menschen, die aktuelle Wirklichkeit wahrzunehmen und sich sinnvoll auf diese zu beziehen.

Sie ist für alle gedacht, die etwas für sich auf kreative Art und Weise tun möchten, um neue Wege zu finden, um mit sich und der Umwelt ins Gleichgewicht zu kommen.

EMDR

Eye Movement Desensitization and Reprocessing (EMDR) 

ist ein von Francine Shapiro begründetes therapeutisches Verfahren, das in verschiedene psychotherapeutische Verfahren integriert werden kann. Die Wirksamkeit von EMDR ist durch zahlreiche wissenschaftliche Studien belegt.

Ein zentrales Element der EMDR-Behandlung ist die Nachverarbeitung bei der belastenden Erinnerung mit Hilfe von Augenbewegungen. Durch die Stimulation und Verknüpfung beider Gehirnhälften können die eigenen Selbstheilungskräfte aktiviert und die belastende Erinnerung verarbeitet werden.

EMDR basiert darauf, dass jeder Mensch über eine natürliche Fähigkeit zur Informationsverarbeitung verfügt, mittels deren er belastende Erfahrungen verarbeiten kann. Die Augenbewegungen sind mit den Augenbewegungen im REM-Schlaf vergleichbar, der Phase des Schlafes, in der wir Geschehnisse des Tages verarbeiten. Alternativ zu den Augenbewegungen können Töne oder Klopfbewegungen eingesetzt werden.

Das zentrale Element der Therapieform ist jedoch die Augenbewegung, Sie folgen dabei den Fingern des Therapeuten, die sich nach rechts und links bewegen mit Ihren Augen, dies wird auch bilaterale Stimulation genannt. Eine EMDR-Sitzung ist vergleichbar mit einer Zugreise, bei der Sie noch einmal an den Ort des Geschehens fahren, jedoch aus sicherer Distanz und mit achtsamer Begleitung. 

Nun können Sie sich mit dem traumatisierenden Geschehen verbinden und die damit verbundenen Bilder und Situationen ansehen. Sie entkoppeln langsam die belastenden Emotionen. Im weiteren Verlauf werden Ihre Erinnerungen verblassen und Sie können diese Stück für Stück auflösen. Sie lernen mit den alten traumatischen Erinnerungen und Gedanken umzugehen und können eine neue, angemessenere Perspektive auf das Geschehen entwickeln.

EFT – Klopfakupressur

EFT bedeutet Emotional Freedom Techniques und wurde von Gary Craig entwickelt als "Geschenk an die Welt" wie er selbst sagt. Diese Technik geht zurück auf die TFT (Thout Field Therapy) von Dr. Callahan, der die bahnbrechende Entdeckung Ende der 1970er Jahre machte. Dies kann als die Geburtsstunde der "Energetischen Psychologie" betrachtet werden.

Die Wurzeln der Energetischen Psychologie liegen in der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM), speziell der Akupunkturlehre. Schon vor über 5000 Jahren machten die Chinesen die Entdeckung, dass den Körper Bahnen durchziehen, in den ständig eine geringe elektrische Energie fließt. Blockaden in diesen Energieleitbahnen führen zu psychischen und somatischen Beschwerden.

Diese Energiekanäle, Meridiane genannt, bilden zusammen mit den Organen und der Körperoberfläche eine Einheit. Diese gilt es zu harmonisieren.

klopfakupressur grafik proszammer© Helga Proszamer

Die Methode dient zur Linderung und Auflösung Ihrer emotionalen Störungen, Stress- und Angstsymptomen und zur Stabilisierung der Psyche und Körpers.

Hierbei werden Teilmethoden aus der Kinesiologie und NLP (Neurolinguistisches Programmieren) angewandt. Dabei handelt es sich um eine Akupunktur (ohne Nadeln), bei der Sie definierte Meridianpunkte unter Anleitung sacht beklopfen (siehe Bild). Dabei stellen Sie Ihr energetisches Gleichgewicht wieder her, zudem lösen Sie die Regeneration von vorhandenen Blockaden in Ihrem Energiesystem an.

 

Alle Methoden, welche den Körper und den Geist mit einbeziehen können ganzheitlich wirken. Dabei steht immer die Wahrnehmung, die Empfindung und der Lösungsweg des Betroffenen im Mittelpunkt. So kann die depressive Persönlichkeitsstruktur sich wandeln in eine Selbstwirksame Persönlichkeit mit gutem Selbstwertgefühl.

Autor: Helga Proszamer, Heilpraktikerin
Thema: Depressive Persönlichkeitsstruktur – „Im Tal der Stagnation?“
Webseite: http://www.heilpraktiker-sindelfingen.de

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