Was uns wirklich antreibt im Leben

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Was uns leicht oder schwer fällt

Manche Dinge im Leben gehen uns leicht von der Hand, wir verfolgen sie schnell und mit Nach­druck und andere Dinge schieben wir lieber auf. Sie scheinen uns schwerer zu fallen, machen Druck oder bereiten uns Unbehagen. Wir finden „gute Gründe“, etwas nicht zu tun, weil es sooo anstrengend ist. Wie kommt es, dass anderen Menschen die gleichen Dinge, die uns schwer fallen, mit Leichtigkeit gelingen?

In der Weisheit „Wähle einen Beruf, den du liebst, und du brauchst keinen Tag in deinem Leben mehr zu arbeiten.“, die dem chinesischen Philosophen Konfuzius zugeschrieben wird, lässt sich etwas erkennen. Wenn wir etwas tun, was einen Anreiz für uns hat, empfinden wir es als leicht(er) und können es sogar mit Freude erledigen. Eigentlich bedarf eine Tätigkeit, für die wir eine intrinsische Motivation empfinden, keiner weiteren Belohnung.

Intrinsische (von innen heraus, aus uns selbst heraus kommend) Motivation kann  in zwei Formen beobachtet werden:

  • Als Intrinsische Prozessmotivation
    Ich mache etwas gerne, weil es (das Tun) mir an sich Spaß macht.
  • Als Internes Selbstverständnis
    Ich mache etwas gern, weil meine persönlichen Werte/Wünsche mich dazu bewegen.

Bereits die Herkunft bzw. Bedeutung des Wortes Motivation - vom lateinischen movere - bewegen, antreiben, lässt darauf schließen. Wikipedia beschreibt Motivation als “...die Gesamtheit aller Motive (Beweggründe), die zur Handlungsbereitschaft führen, und das auf emotionaler und neuronaler Aktivität beruhende Streben des Menschen nach Zielen oder wünschenswerten Zielobjekten.“ Die Motive jedes einzelnen Menschen können sehr individuell und verschieden sein. Das Spektrum ist hier denkbar breit und bunt gemischt.

Die Frage, „was uns wirklich antreibt im Leben“, begegnet uns in vielen Entscheidungen des täglichen Lebens - den großen und kleinen. Sie kann für die Zielerreichung im Coaching oder im therapeutischen Kontext (Glaubenssätze, Lebensvision/-ziele, Teilearbeit u.v.m.) von Bedeutung sein. Letztlich bestimmt unser persönliches Wertesystem (Ethik, Moral, Erziehung, Welt- und Selbstbild, Vorbild/er u.s.w.) auch unseren Lebenssinn bzw. unsere Lebensziele. Welchen Sinn ich meinem Leben geben bzw. darin suche und welche Ziele ich verfolge, wird davon geprägt, wie ich sozialisiert und geprägt wurde.

Was ist meine Motivation?

Bei meiner Arbeit als Heilpraktiker für Psychotherapie (und auch im Coaching) ist die Klärung der (bestenfalls der intrinsischen) Motivation von KlientINNen sehr wichtig. Sie kann entscheidend sein für die Erreichung eines (therapeutischen) Ziels. Das gilt sowohl für die Motivation im Sinne von Motiv (Bewegunggrund) als auch in der Bedeutung des Antriebs. In meiner Praxis arbeite ich schwerpunktmäßig mit den Themen Ängste/Phobien, Stress und Zwischenmenschliches. KlientINNen mit diesen Themen bringen regelmäßig eine hohe Eigenmotivation zur Veränderung mit. Ein Therapie- oder Coachingprozess erfordert Energie - Veränderungsenergie. Daher werden einerseits mögliche (innere und äußere) Widerstände geklärt und andererseits die Motivation zur Veränderung hinterfragt. Starke oder schwache Motive können zu einer starken oder eben schwachen Motivation (i.S.v. Antrieb) führen. Dies zeigt sich z.B. in der Reaktion von KlientINNen auf Probleme oder Rückschläge während des Prozesses. 

Starke Motive und eine starke Motivation fördern z.B. Durchhaltevermögen, Disziplin, Fokussierung und Engagement. Eine erfolgreiche Veränderung und/oder Zielerreichung wird dadurch wahrscheinlicher. Hier kommt es manchmal zu der Frage, ob die Veränderung extrinsisch (von einer anderen Person(engruppe) oder intrinsisch motiviert ist. Am Beispiel Rauchentwöhnung lässt es sich gut nachvollziehen. Kognitiv haben Raucher verstanden, dass es nicht gesund ist, zu rauchen, teilweise merken sie es auch körperlich. Und doch gibt es manchmal Gründe, es doch zu tun.

Ich erinnere mich an eine Klientin, die zur Rauchentwöhnung kam. Sie wollte aufhören, weil es ihr nicht gut tat, zu viel Geld kostete und ihre Tochter an Familiengründung dachte. Letzteres war ein starkes Motiv für sie. In einer der ersten Sitzungen kläre ich in solchen Fällen, wozu jemand aufhören will und was sie/er dadurch gewinnt aber auch verliert. Hier wird manchmal vergessen, dass Rauchen auch zu einer Zugehörigkeit führt und sozial akzeptierte Pause (Pflegeberufe) ermöglicht. Bei der Frage, wie und warum sie denn einmal angefangen hatte, kam ein bedeutender Punkt zur Sprache. Sie hatte durch ihre Großmutter, die größtensteils die Erziehung übernahm, noch eine strenge „wilheminische Erziehung“ erfahren, was u.a. bedeutete, dass sie ihre Mutter zu siezen hatte. Eigene Wünsche oder Ansprüche waren tabu. Als sie dann mit 17 Jahren auszog, war das Rauchen eine Art Befreiungsschlag und Zeichen von Unabhängigkeit und Widerstand. Zuhause hätten ihre Mutter bzw. Großmutter das Rauchen nicht geduldet. Dieser Anteil in ihr, die „Stimme des Aufbegehrens“ oder die „Revolutionärin“, hätte sehr wahrscheinlich ihren Verände­rungsprozess (Rauchentwöhnung) bewusst und unbewusst boykottiert und untergraben. Hier galt es, zunächst diese inneren Gedanken, die innere Stimme, zu befrieden und die verdrängte Blockade aufzulösen und dann die neue Lebensweise zu beginnen.

In einem umgekehrten Fall hörte ein pensionierter Besitzer eines Tabakwarenhandels, der selbst seit seiner früheren Jugend Zigarren geraucht hatte, am Tag der Geburt seines Enkels sofort auf zu rauchen. Im Fernsehen wurde damals berichtet, dass Babys den schweren Geruch von Zigarren meiden. Dies war ein derartig starkes Motiv, dass der Mann von einem auf den anderen Tag nicht mehr rauchte und es auch bis zu seinem Tod nie wieder tat. Der Enkelsohn fand irgendwann ein Foto, auf dem sein Opa noch Zigarre rauchte und fragte seine Mutter überrascht danach, da er ihn nur als Nichtraucher kannt. Als er von der Geschichte erfuhr, war er sehr gerührt.

Der gute Grund

Aus diesem Grund ist mir die Erarbeitung eines „guten Grundes“ (starken Motivs) so wichtig. Den kleinen und großen Versuchungen des Lebens lässt sich leichter widerstehen, wenn wir einen guten Grund dafür haben. Gleiches gilt für die (Mehr)Anstrengungen, die wir leichter oder lieber auf uns nehmen, wenn wir wissen warum. Wie kommt man nun aber darauf, was der „wirklich gute Grund“ für einen selbst ist? In meiner Ausbildung habe ich eine Fragetechnik erlernt, die dafür hilfreich sein kann. Empfehlenswert könnte eine zweite Person sein, die die folgenden Fragen stellt, damit sich die erste Person ganz auf die Beanwtortung der Fragen konzentrieren kann.

Beispielhaft könnten folgende Fragen (wiederholend) gestellt werden:

  • Was wird möglich, wenn [das Ziel] erreicht ist?
  • Was wird dadurch möglich, was noch wichtiger ist?
  • Und wenn das erreicht ist, was wird Dir dadurch möglich?

Irgendwann kommen die Befragten an einen Punkt, wo es kein „danach“ mehr gibt - meist eine Art Glückszustand - den Kern (core). Diesen Zustand mit all den positiven Emotionen, die damit verbunden sind, darf man auskosten. Mit diesen Emotionen geht die Reise (alle Schritte des Hinwegs der Befragung) nun zurück. Die stark positiven Emotionen oder inneren Gedanken bereichern nun alle Zwischenschritte und lassen erkennen, was ein „wirklich guter Grund“ ist und warum er es ist. Tieferliegende Werte und Wünsche können so offenbart und als Motiv(ation) genutzt werden. Haben KlientINNen einmal den ‘Kern’ erkannt, können Sie ihre grundsätzlichen bis hin zu einzelnen Bestrebungen und Entscheidungen im Leben (häufig als Lebensziele oder Sinn im Leben bezeichnet) danach ausrichten. Stimmt meine Lebensausrichtung mit diesem Kern überein, ist die (intrinsische) Motivation von Anfang an und dauerhaft hoch. Eine solche Motivation begünstigt die Erfolgsquote einer Zielerreichung über Faktoren wie z.B. Energie/Engagement, Durch­haltevermögen, Selbstdisziplin, Zielstrebigkeit oder Kreativität.

Daneben gibt es natürlich auch andere Möglichkeiten, die eigene Motivation zu erkunden. Der Weg, seine intrinsische Motivation zu entdecken und auszuleben, mag manchmal anfänglich etwas steinig und unübersichtlich sein, ihn zu gehen, lohnt sich meines Erachtens jedoch sehr.

Zu leben, was man liebt, ist eines der größten Geschenke, die man sich selbst machen kann.

Autor: Steffen Zöhl, Heilpraktiker für Psychotherapie
Thema: Intrinsische Motivation
Webseite: https://derzuhoerer-berlin.de

Quellen/Verweise:

  • https://de.wikipedia.org/wiki/Motivation
  • https://www.aphorismen.de/zitat/52341
  • https://interculturecapital.de/falsche-konfuzius-sprueche-was-der-chinesische-meister-alles-nicht-gesagt-hat/
  • https://de.wikipedia.org/wiki/Intrinsisch
  • https://derzuhoerer-berlin.de/ausbildungen#ipt

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