Ratgeber Lifestyle

„Die besten Entdeckungsreisen macht man nicht in fremden Ländern, sondern indem man die Welt mit neuen Augen betrachtet.“ Diese Aussage von Marcel Proust verdeutlicht, dass eine Änderung der Anschauungsweise, ein Perspektivwechsel spannende Einsichten zur Folge haben kann.

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Man muss nicht die Welt bereisen, um Wissen und vielleicht auch das Glück zu entdecken. Liegt nicht das Glück vielmehr im Auge des Betrachters? Liegt es damit nicht in meiner eigenen Hand und in der eigenen Verantwortung meine Anschauungsweise so zu verändern, dass ich Neues entdecke? Neue Wege beschreite und mich damit neuen Erfahrungen öffne?

Perspektivwechsel: Sich in andere hineinversetzen

„But before you come to any conclusions, try walking in my shoes” singt Dave Gahan in dem wunderbaren Depeche Mode Lied “Walking in my shoes” eindringlich. Versuche dir erst einmal meine Schuhe anzuziehen, dir meinen Weg klar zu machen, bevor du voreilige Schlussfolgerungen ziehst oder Urteile über mich fällst. Denn erst wenn du weißt, was mich zu meiner Vorgehensweise getrieben hat, dann kannst du urteilen.

Um sich in andere hineinzuversetzen, ist ein Perspektivwechsel unumgänglich. Erst dieses Hineinversetzen in die Situation und Gefühlslandschaft des Anderen kann Antwort auf die Frage geben, warum derjenige so reagiert, wie er reagiert. Ich muss also meine gewohnte Perspektive verlassen und mich in die eines anderen begeben, um ihn und seine Handlungen verstehen zu können. Diese viel beschworene Empathie fällt uns im Alltag leider gar nicht so leicht. Denn es kostet Energie, sich in andere hineinzuversetzen und Empathie zu lernen. Diese Energie aufzubringen fällt nach einem langen Arbeitstag, wenn am wohlverdienten Feierabend die Kinder oder der Partner nicht so reagieren, wie man es sich gewünscht hätte, nicht immer leicht. Allerdings sollte man in einer Partnerschaft nichts als selbstverständlich hinnehmen. Und vor allem benötigt eine gute Beziehung Pflege. Es ist also unabdingbar Energie und Zeit aufzuwenden, um seine Beziehung dauerhaft und tragbar zu gestalten. Und diese Pflege sollte möglichst auch im Alltag und nicht nur an besonderen Tagen stattfinden. Das ist etwas, was viele Paare bei einer Paarberatung erst wieder lernen müssen, den Partner nicht als selbstverständlich zu betrachten und der Beziehung die notwendige Pflege und Aufmerksamkeit zu schenken.

Denn mit dem nötigen Interesse an dem anderen, können sich einige Beziehungsprobleme schon im Voraus vermeiden lassen. Indem man versucht sich in den anderen hineinzuversetzen und zu hinterfragen „Wie kommt er oder sie darauf?“ „Was bringt ihn oder sie zu dieser Reaktion?“ „Warum reagiert er oder sie so unverständlich?“
Eben ein Stück in den Schuhen des Anderen zu laufen, seine Perspektive einzunehmen und die Situation aus diesem anderen Blickwinkel zu betrachten.

Perspektivwechsel: Die eigene Situation umdeuten

Genauso kann ich aber auch meine eigenen Probleme durchdringen. Albert Einstein sagte einmal „Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind.“ Man muss sich von seiner gewohnten Denkweise abbringen, neue Bahnen einschlagen, die Richtung wechseln. Von unten sieht der Berg riesengroß aus, von oben erscheint alles weit und klein. Diesen Berg zu besteigen klappt oftmals erst mit professioneller Hilfe. Hier setzen Lebensberatung und Psychotherapie ein.
Die Kognitive Verhaltenstherapie versucht zum Beispiel die Perspektive zu wechseln, in dem die eigene Bewertung einer Situation verändert wird. Denn nicht die Situation selbst lässt mich reagieren, sondern meine Bewertung der Situation. Zwischen der Situation und der Reaktion darauf, findet also eine Bewertung der Situation statt. Jede Situation wird aufgrund von Vorerfahrungen, Denkmustern usw. blitzschnell bewertet und erst daraus resultiert dann die gefühlsmäßige Reaktion.

Stellen Sie sich folgende Situation vor:

Herr M., Mitte 50, fühlt sich in der Firma in der er seit vielen Jahren arbeitet, in letzter Zeit etwas überflüssig. Immer mehr junge Kollegen kommen, die mit etwas anderen Methoden arbeiten. Er denkt sich: „Ob ich hier überhaupt noch gebraucht werde? Werde ich bald ersetzt? Kommt bald ein Jüngerer an meine Stelle? In meinem Alter bekomme ich doch nirgends mehr Arbeit.“

In diese Gedanken steigert er sich mehr und mehr hinein. Eines Tages, kommt ihm sein Chef wie so oft morgens am Flur entgegen und beachtet Herrn M. nicht, obwohl ihm sonst ein enger Kontakt zu seinen Mitarbeitern sehr wichtig ist. Herr M. reagiert nervös und bekommt den ganzen Tag nichts mehr richtig auf die Reihe, weil er so abgelenkt ist. Er ist sich sicher, dass sein Chef ihm kündigen wird, denn schließlich schenkt er ihm keine Beachtung mehr, es ist gerade so, als wäre Herr M. schon gar nicht mehr da.

Hier würde der Verhaltenstherapeut mit dem Patienten alternative Bewertungsmuster entwickeln. Welche anderen Möglichkeiten gibt es diese Situation zu interpretieren? Vielleicht ist der Chef in Gedanken weil er schlecht geschlafen oder sich mit seiner Frau gestritten hat. Vielleicht ist ihm auf dem Weg zur Arbeit jemand aufgefahren? Es gibt unzählige Möglichkeiten. Es geht hier darum seine sicher geglaubte Denkweise zu verlassen und andere Perspektiven in Betracht zu ziehen.

Auch die Achtsamkeitsbasierte Therapie arbeitet gezielt mit Perspektivwechseln. Es wird versucht, den Blick und die Konzentration ganz und gar auf eine Sache zu lenken und zu fokussieren. So kann es eine ganz neue und sehr beglückende Erfahrung sein, wirklich achtsam im Wald spazieren zu gehen. Die Blätter unter den Füßen zu spüren, das Laub fallen zu sehen, die Vögel zwitschern zu hören und mit all seinen Sinnen eben nur bei diesem Spaziergang zu sein und nicht in Gedanken das Mittagessen für die Kinder zu planen, das nächste Meeting im Kopf durchzuspielen oder den Terminkalender für die nächste Woche durchzugehen. Oder auch so Kleinigkeiten, wie eine Orange achtsam zu schälen und zu essen. Die Aufmerksamkeit wird ganz auf die Orange gelenkt. Wie fühlt es sich an, mit dem Messer durch die Schale zu schneiden? Wie riecht sie? Wie fühlt sich erst die Schale, dann die Apfelsine in meiner Hand an? Wie in meinem Mund? Wie schmeckt sie?

Achtsamkeitsbasierte Übungen kann man eigentlich aus allen Alltagstätigkeiten machen, auch ohne große Vorkenntnisse. Sie schulen die Konzentration aber auch die Entspannungsfertigkeit. Im NLP, dem Neurolinguistischen Programmieren spricht man beim Perspektivwechsel vom Reframen. Etwas einen neuen Rahmen geben, in einem anderen Licht betrachten. Dinge oder Situationen, die für mich negativ konnotiert sind, positiv umzudeuten. Eben das berühmte Glas nicht als halb leer, sondern als halb voll zu betrachten.

Passend zu der Technik des Reframens fällt mir einer meiner Lieblingssprüche ein, von dem ich leider nicht mehr weiß, wo ich ihn gelesen habe. Er besagt in etwa: „Faulenzen heißt seine geistigen und körperlichen Kräfte für die Zukunft zu bündeln.“ In diesem Sinne habe ich gar kein schlechtes Gewissen, wenn ich mich jetzt mit einem spannenden Krimi auf die Couch lege. Schließlich faulenze ich nicht, sondern schone meine Kräfte für zukünftige Aufgaben.

Autor: Birgit Fischer
Thema: Perspektivwechsel
Webseite: http://www.bfischer-psychotherapie.de

Autorenprofil Birgit Fischer:

Dipl. Päd. (Univ.), Heilpraktikerin für Psychotherapie, tätig in eigener Praxis in Butzbach. Mitglied im Verband freier Psychotherapeuten und Psychologischer Berater e.V.

 

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