Selbstbewusst und selbstsicher in unserem Job unseren Vorgesetzten, Kollegen und/oder Kunden gegenüber auftreten. Möchten wir das nicht alle?

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Aber was hindert uns daran, bzw. warum können wir manchmal nicht so auftreten, wie wir es gerne würden? Vor allem in Stresssituationen oder bei Konflikten fühlen wir uns oft nicht so selbstsicher und können so nicht für unsere Belange einstehen. Was sind die Ursachen?

Dafür schauen wir uns den Begriff an sich einmal genauer an: Selbst-bewusst-sein, also sich seiner selbst bewusst sein. Was bedeutet das nun? Es bedeutet, dass man überzeugt von seinen Fähigkeiten ist, ebenso dass man als Person seinen Wert kennt und schätzt. Zusammengefasst könnte man sagen:

Wer sich seiner Fähigkeiten bewusst, sicher und Vertrauen in diese hat, und diese und sich als wertvoll erachtet, der besitzt Selbstbewusstsein, Selbstvertrauen, Selbstsicherheit und hat ein gutes Selbstwertgefühl.

Hilfreiche Fragen hinsichtlich des Selbstvertrauens sind:

  • Wer bin ich?
  • Was kann ich?
  • Was bin ich wert?

Zur Beantwortung dieser Fragen kommen zwei Prozesse in Gang:

  • Die Eigenwahrnehmung (z. B. ich spreche fließend Englisch)
  • Die Anerkennung (darauf bin ich stolz)

Wie selbstbewusst ein Mensch ist, hängt auch vom sogenannten Lebensstil ab, der sich während der ersten Lebensjahre entwickelt. Vor allem die kindliche Prägung und die Erfahrungen, die jemand in Laufe seiner Kindheit gemacht hat, geben Rückschlüsse auf das Selbstwertgefühl eines Menschen. Dabei spielen natürlich die Eltern und die Menschen, die einen in dieser Zeit begleitet haben (z.B.: Lehrer, Freunde, Großeltern, Partner, ….) eine große Rolle. Gab es eine positive frühe Wertschätzung und soziale Akzeptanz, wurden wir durch Ermutigung und Komplimente in unserem Selbstbewusstsein eher gestärkt, oder wurden wir eher kritisiert und verbessert. Hier steckt auch die Gefahr, dass wir oft unser Selbstbild vermischen mit dem Fremdbild. Wenn z. B. unsere Lehrer uns als „schüchtern“ oder „zu ruhig“ etc. bezeichnet haben, kann es sein, dass wir diese Ansichten übernommen haben und uns auch dem entsprechend fühlen, gerade Vorgesetzten bzw. Autoritätspersonen gegenüber.

Da stellt sich die Frage: Lässt sich Selbstbewusstsein überhaupt stärken?

Ja! Mit gezieltem Coaching ist das durchaus möglich. Aber es bedarf einiger Zeit und Durchhaltevermögen, da so ein Lebensstil ja auch über Jahrzehnte gelebt und somit gefestigt wurde.

Wichtig hinsichtlich Selbst- und Fremdbild ist zu erwähnen, dass ein erster Schritt immer sein sollte Vertrauen in die eigene Wahrnehmung zu erhalten.

Ein zweiter Ansatzpunkt ist die Selbstakzeptanz: denn nur wer sich selbst annehmen kann, so wie er ist, kann Selbstvertrauen entwickeln.

Schauen wir uns mal an, was eine selbstbewusste Person ausmacht:

  • Eine selbstsichere Ausstrahlung
  • Sie glaubt an die eigenen Kompetenzen
  • Sie glaubt an das Erreichen eigener Ziele
  • Sie tritt für sich selbst ein
  • Sie kann auf andere zugehen

Was steckt nun hinter mangelndem Selbstbewusstsein?

Zum einen kann ein negatives Selbstbild dahinter stehen und somit Angst abgelehnt zu werden bzw. zu versagen. Zum anderen eine innere Unsicherheit, bei der die Person von ständigen Selbstzweifeln geplagt wird, sprich sich in eine Form nicht richtig fühlt.

Dazu stellen wir uns mal folgende Frage: wo ist die Ursache zu suchen?

  • Wovor haben Sie Angst? Fehler zu machen?
  • Befürchten Sie Kritik anderer (vom Chef oder von Kollegen)?
  • Wagen Sie nicht Ihre Meinungen zu vertreten und zu äußern?
  • Fühlen Sie sich minderwertig anderen gegenüber?

Analysieren Sie Ihre momentane Situation in Ihrem Job und gehen Sie den Gründen auf die Spur.

Ein paar praktische Übungen, die zu mehr Selbstbewusstsein führen:

In meinen Business-Coachings richte ich immer den Blick meiner Klienten auf Ihre Stärken und lasse sie diese aufschreiben. Auch hier kann man schon schnell erkennen, wer sich auf Anhieb akzeptiert und wer Schwierigkeiten damit hat. Auch hier gibt es eine sehr gute Übung sich über seine Stärken ein besseres Bild zu machen, indem man einige gute Freunde bzw. Familienmitglieder bittet eine Liste zu erstellen mit den guten Eigenschaften und Stärken, die sie in Ihnen sehen. Sie werden erstaunt sein, was andere alles Positive an Ihnen erkennen können. ;-)

Eine weitere sehr effektive Übung ist die sogenannte Spiegel-Übung: Stellen oder setzen Sie sich vor einen Spiegel und sagen Sie laut und deutlich: „…. (Ihren Namen) so, wie du bist, bist du wertvoll und richtig. Du hast viele Stärken und viel erreicht. Ich mag dich so wie du bist. Ich mag mich.“ Diese Übung hat es anfangs in sich, da man das ja nicht so oft macht, aber halten Sie durch und wiederholen Sie diese Übung immer und immer wieder.

Mangelndes Selbstbewusstsein geht oft einher mit einem Minderwertigkeitsgefühl. Das kann sich z. B. darin äußern, dass Sie Angst haben

  • Ihre Wünsche / Bedürfnisse zu nennen
  • „Nein“ zu sagen
  • Ihre Meinung kundtun
  • Lob und Anerkennung anzunehmen
  • Ärger und/oder Frust zu äußern

In der Individualpsychologie (siehe auch Alfred Adler u.a.) fand man heraus, dass der menschliche Organismus dazu tendiert, z.B. Organminderwertigkeiten auszugleichen (Beispiel: ein Blinder hört extrem gut). Deshalb ist es oft zu beobachten, dass Menschen mit Minderwertigkeitsgefühlen – eigentlich handelt es sich nicht um ein Gefühl im klassischen Sinne, sondern um eine Einstellung – versuchen diese entweder durch Kompensation oder mit Resignation auszugleichen. Gerade im beruflichen Bereich stellen wir immer wieder fest, dass dieses „sich Beweisen müssen“ zur Gefahr ein Burnout zu bekommen.

Einstellungen zu sich selbst und zu Situationen kann man lernen zu verändern:

  • Vergleichen Sie sich nicht mit anderen
  • Erkennen und schätzen Sie Ihre Stärken
  • Akzeptieren Sie auch, dass jeder – auch Sie – Schwächen hat.
  • Bei Minderwertigkeitsgefühlen, klären Sie woher diese stammen (Kindheitserfahrungen)
  • Betreiben Sie Gedanken-Hygiene und achten Sie auf Ihre Glaubenssätze
  • Lernen Sie Anerkennung anzunehmen

Wichtig hinsichtlich des einen Selbstbewusstseins ist, dass man seine Glaubenssätze kennt und diese analysiert, in wie weit diese überhaupt noch stimmen. Sätze wie: „Ich kann das nicht.“ „ Das schaffe ich nicht.“ Oder „Nur wenn ich …, dann ….“ Diese Glaubenssätze kommen zum größten Teil aus der Kindheit und treffen nicht mehr zu bzw. sabotieren somit auch Ihr Selbstvertrauen. Sie sind nicht mehr das kleine Mädchen /der kleine Junge, der z.B. von der Lehrerin oder dem Vater kritisiert worden sind. Machen Sie sich das immer wieder bewusst.

„Selbstvertrauen gewinnt man dadurch, dass man genau das tut, wovor man Angst hat, und auf diese Weise eine Reihe von erfolgreichen Erfahrungen sammelt.“ (Dale Carnegie)

Sie müssen eine Präsentation halten und haben Angst davor?

Stehen Sie dazu! Es gibt nichts Besseres als von vorne herein offen und ehrlich zu sein. Eröffnen Sie Ihre Präsentation ruhig mit den Worten: „Ich bin ganz schön nervös!“ und Sie werden merken, dass schon dieser Einstieg Sie selbstsicherer werden lässt. Versuchen Sie nicht perfekt zu sein, denn das sind wir alle nicht.

Sie können nicht „Nein“ sagen?

Fragen Sie sich was dahinter stecken könnte, was Sie befürchten, wovor Sie Angst haben? Welche Gefühle damit verbunden sind und aus welcher Zeit diese stammen. Und vor allem überdenken Sie Ihre Sichtweise! Könnte es nicht sein, dass die andere Person sogar das „Nein“ akzeptieren könnte, wenn sie den Grund kennen würde? Oder, dass man Sie gar nicht für egoistisch hält?

Sie haben einen Fehler gemacht?

Ja und nun? Schämen Sie sich dafür? Warum? Jeder macht mal einen Fehler und auch hier kann man lernen seine Einstellung zu Fehlern zu ändern. Durch Fehler lernen wir und können uns weiterentwickeln. Was wäre aus uns geworden, wenn wir als Kinder nicht aus Fehlern gelernt hätten?

Der Chef hat Sie kritisiert?

Versuchen Sie darin keinen persönlichen Angriff zu sehen, sondern nehmen Sie es als Feedback und Bereicherung für Ihre Arbeitsweise an. Natürlich kommt es auch immer darauf an, wie man kritisiert wird. Hier wäre der richtige Weg natürlich die konstruktive Kritik. Aber leider ist nicht jeder in der Lage konstruktiv zu kritisieren. Trotzdem können wir immer selbst entscheiden, wie wir etwas an-nehmen! 

Wenn Sie sich in einem der Beispiele wiedererkennen, dann denken Sie bitte daran, dass Sie vor allem für sich selbst sorgen sollten, denn sonst tut es evtl. keiner. Niemanden ist damit gedient, wenn Sie sich auspowern oder im schlimmsten Fall ausnutzen lassen, am wenigsten Ihnen selbst, aber auch nicht Ihrer Abteilung, Ihres Vorgesetzten oder Ihrem Arbeitgeber.

Deshalb lernen Sie Ihre Meinungen und Ansichten konstruktiv zu vertreten. Beobachten Sie sich selbst, wie Sie in bestimmten Situationen reagieren und versuchen Sie dieses Verhalten nicht zu bewerten, sondern zu analysieren! Immer im Hinblick auf die Fragen: welche Gefühle kommen in mir hoch? Woher stammen diese Gefühle? Habe ich mich vielleicht als Kind mal so gefühlt? Ist meine Reaktion angemessen oder übertrieben? Vor allem üben Sie sich selbst anzuerkennen und zu akzeptieren, denn wenn Sie es nicht selbst können, wer soll es dann tun?

Abschließend möchte ich aus meiner praktischen Erfahrung als Business-Coach und psychologische Beraterin anmerken, dass wenn Sie das Gefühl haben, mit einer Situation oder Aufgabe in Ihrem beruflichen Umfeld nicht mehr zurechtzukommen und sich zunehmend unwohl fühlen, scheuen Sie sich nicht professionelle Hilfe in Form einen Coachings zu holen. Auch wenn Sie meinen, dass diese Coachings zu „teuer“ sind, fragen Sie sich immer „was bin ich mir eigentlich wert?“ Bedenken Sie dabei, dass Sie das in einem Coaching erlernte Wissen für Ihr gesamtes Leben anwenden können und somit z.B. einen Burnout verhindern können.

Ich wünsche Ihnen, dass Sie Ihr Selbst-bewusst-sein mit den oben genannten kleinen Tipps und Übungen stärken können und in Zukunft selbstbewusst an Ihren Arbeitsplatz gehen.

Autor: Petra Stelzer
Thema: Selbstbewusst auftreten im Job
Webseite: https://www.stelzercoaching.de

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