Können Sie einen Artikel über „Suchtkrankheiten“ schreiben? Hm -  in welcher Art? … Für wen? …. Bis wann? ….. Okay!

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Ja, was fällt mir dazu ein? Welche Sucht kennst du? Als erstes mal: Alkoholsucht, Drogensucht. Aber dann sind da noch Nikotinsucht, (Fr-)ess-Sucht, Magersucht, Spielsucht, Onlinesucht, und, und, und... Jetzt fing´s an, dass mein Gehirn sich mit „Süchten“ überschlug.

Es gibt kaum einen Bereich in unserem Verhalten, der nicht in eine Form von Sucht umschlagen kann. Wahrscheinlich wird das jeder entdecken - bei genauerem darüber Nachdenken.

Aber wodurch entwickelt sich Sucht? Was steckt dahinter? Und wie gefährlich ist eine Sucht?

Diese Fragen haben sich verschiedene Wissenschaftler gestellt und interessante Entdeckungen dazu gemacht. Ich werde hier nur die für mich wichtig erscheinenden Punkte in Kurzfassung ansprechen und beschreiben.

Hirnforscher haben entdeckt:

Es gibt ein Belohnungssystem im Gehirn. Bei der sogenannten neuronalen Belohnung in diesem Belohnungssystem steigt der Dopaminspiegel an. Dopamin ist ein Neurotransmitter und gehört auch zu unseren „Glückshormonen“. Es steht unter anderem mit dem Limbischen System in Verbindung. Im Limbischen System werden alle Emotionen, alles Erlebte, alle Erfahrungen verarbeitet und abgespeichert, egal ob es sich um positiv oder negativ empfundenes handelt. Wird nun im Limbischen System ein Ereignis als besonders positiv abgespeichert, dann, weil im kurz vorausgegangen Erlebten Dopamin vermehrt ausgeschüttet wurde und ein Glücksgefühl entstand.

Positive Emotionen fördern unseren Lebensantrieb, unser Lernverhalten und unsere Aktivität. Man strebt danach, das positiv Erlebte zu wiederholen.

Negative Emotionen bewirken das Gegenteil. Sie lähmen uns in unseren Handlungen, im Lernen, in unserer Lebensfreude und machen uns Stress.

Stehen Positiv- und Negativerlebnisse nicht mehr im Gleichgewicht, entsteht ein emotionales Ungleichgewicht. Man sucht nach dem, was Befriedigung und einen emotionalen Ausgleich wieder herstellt. Drogen, Rauschmittel, jede Form von Suchtbefriedigung bewirken eine vermehrte Dopaminausschüttung. Sie kompensieren das gefühlte Ungleichgewicht, indem sie Glücksgefühle auslösen und täuschen damit dem System Belohnung vor.

Man geht davon aus, das noch vor dem Säuglingsalter alles im Limbischen System wie oben beschrieben fest gehalten wird. Das heranwachsende Kind reagiert nach diesen abgelegten Bildern auf sein Umfeld. In ihm entwickelt sich ein Bild von sich selbst, von seinen Fähigkeiten und von seiner Wertigkeit. Das Kind entwickelt eigene Wünsche, Bedürfnisse und Strategien um an seine Ziele zu kommen. Alles zusammen wird seinen späteren Lebensstil und sein Verlangen bestimmen.

Durch gewollte oder ungewollte wiederholte Erziehungsfehler von Eltern, KindergärtnerInnen,  LehrerInnen und anderen Personen, die erzieherisch auf das Kind einwirken, entstehen beim Kind Muster bzw. Abbilder im Limbischen System, die ein emotionales Ungleichgewicht hervorrufen. Dem Kind fehlt z.B. die Bestätigung: „so wie ich bin, bin ich richtig und so werde ich akzeptiert“. Es fehlt vielleicht das Glücksgefühl zum eigenen Leben.

Warum?

Weil keine ausreichende oder sogar fehlende Dopaminausschüttung zu einer Befriedigung im Belohnungssystem geführt hat. Weil nur wenig oder keine positive Emotionen im Limbischen System abgespeichert werden konnten.

Je häufiger sich nun ein negatives Erlebnis wiederholt, um so größer wird der wahrgenommene innere Druck. Ein tiefgreifendes negatives emotionales Erlebnis nennt man ein emotionales Trauma. Solches kann eine Grundlage für eine später entstehende Sucht bilden.

„Sucht sucht“.

Sie sucht nach dem, was einen Ausgleich bietet und wieder das vermisste Glücksgefühl hervor ruft, sprich: zu einer Dopaminausschüttung führt für das neuronale BelohnungsSystem.

Bei der Entstehung von Sucht können natürlich auch noch andere Faktoren eine Rolle spielen:

Auf Kinder und Jugendliche wirken das Umfeld und soziale Kontakte stark ein. Werden sie mit Drogen früh konfrontiert, besteht eine größere Gefahr für sie sich dazu verleiten zu lassen. Die Gefahr ist um so größer, je weniger selbstsicher das Kind oder der Jugendliche ist.  Daher macht Selbstsicherheit / Selbstbewusstsein widerstandsfähig gegenüber der Versuchung.

Weitere Ursachen für das Entstehen von Sucht sind gefühlte Überlastung, Ratlosigkeit, Schicksalsschläge jeglicher Art. Das vermittelt großen Stress. Auf der Suche nach Erleichterung bzw. Stressabbau wählt man mangels anderer Lösungsmöglichkeiten schnell den Alkohol. Erstens ist er leicht erhältlich und zweitens – bis zu einem bestimmten Grad – gesellschaftlich unauffällig.

Man vergisst, trotz häufiger Aufklärung von Medien, die Gefahr, die hinter Alkohol steckt. Die Alkoholsucht ist schleichend. Man gleitet langsamer in die Abhängigkeit als es bei anderen Drogen der Fall ist. Laut Forschungsergebnissen ist die Alkoholsucht jedoch die gefährlichste Sucht. Noch dazu ist sie irreversibel, das heißt: sie ist nicht mehr rückgängig zu machen. Nach einem Entzug muss Alkohol in jeglicher Form tabu bleiben, sonst ist der Rückfall vorprogrammiert.

Zur Sterblichkeit an Drogen schreibt Wikipedia, dass in Deutschland jährlich geschätzt 121.000 Menschen an den Folgen des Tabakkonsums, 74.000 an den Folgen des Alkoholkonsum und rund 1000 an den Folgen des illegalen Drogenkonsums sterben. (https://de.wikipedia.org/wiki/Droge)

Zusätzlich haben Forscher entdeckt, welche Rolle die Epigenetik in unserem Verhalten spielt. ( Die Epigenetik befasst sich mit der Aktivität von Genen und ihrer veränderten Aktivität ohne dass sich die Gene selbst verändert haben.) Sie fanden heraus, dass negative tiefgreifende Erlebnisse (Traumata), über Generationen hinweg weiter vererbt werden. Diese traumatischen Erlebnisse sind auch im Limbischen System abgelegt.

So kann eine für uns versteckte Ursache von Suchtverhalten eventuell in der epigenetischen Prägung begründet sein. Wir sind in der Lage bis zu einem gewissen Grad unser Leben selbst zu reflektieren, unser Verhalten zu erkennen und zu erklären. Aber da, wo wir durch epigenetische Prägung von Generationen vor uns beeinflusst werden, entzieht es sich meistens unserer Kenntnis. Diese Prägung führt uns in ein Verhaltensmuster hinein, dem wir vielleicht nur schwer, wenn überhaupt, widerstehen können. Der Ursprung des Triebes zu unserer Handlung bleibt uns meist unsichtbar.

Sucht gilt heute als eine Krankheit. Sie hat sowohl eine körperliche als auch eine psychische und je nach Ausmaß noch eine soziale Komponente. Alle Komponenten müssen behandelt werden. Doch die Behandlung von Sucht braucht immer die Einsicht und Einwilligung des von der Sucht Betroffenen. Er muss einsehen, dass eine Sucht vorliegt und bereit sein, aktiv an allem mit zu arbeiten.

In meiner Praxis arbeite ich vorwiegend osteopathisch. Mit meiner Arbeit kann ich nur bedingt auf das Limbische System Einfluss nehmen. Die Osteopathie reicht nicht aus, um eine Sucht, bzw. dazu gespeicherte Emotionen im System zu löschen. Dennoch kann sie eine positive Unterstützung anbieten. Durch den ganzheitlichen Ansatz berücksichtigt sie alle Systeme unseres Körpers. Durch die osteopathische Behandlung wird das Nervensystem beruhigt und auf die entgiftenden Körperorgane positiver Einfluss genommen, die bei einem Entzug stark beansprucht werden und gut funktionieren müssen.

Die Entgiftung kann ich zusätzlich auch mit anderen Mitteln aus meinem Repertoire der Naturheilkunde gut unterstützen. 

Vor allen Dingen braucht die Befreiung von Sucht außer einer körperlichen Entgiftung, noch eine psychische / seelische Entgiftung. Diesen Teil unterstützt in meiner Praxis meine Kollegin Kornelia Diedrich. Sie arbeitet an den unbewussten Strukturen unseres Seins.

Autor: Jutta Caspari, Osteopathie und Naturheilkunde
Thema: Suchtkrankheiten
Webseite: https://www.jutta-caspari.de

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