Eine Trennung bringt uns oft in einen sehr tiefen Schmerz. Für manche Menschen fühlt er sich so tief und gewaltig an, dass sie in eine Depression fallen oder sogar daran denken ihr Leben zu beenden.

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Wir haben diesen Schmerz wohl alle schon erfahren. Die meisten Menschen erleben eine starke innere Unruhe, nichts bringt mehr Freude. Alles erscheint sinnlos. Die Arbeit kann etwas Ablenkung bringen, nur fehlt die nötige Konzentration. Hobbys machen auf einmal keinen Spaß mehr. Das Essen schmeckt nicht, überhaupt fehlt der Appetit. Menschen im Trennungsschmerz ziehen sich zurück, wollen allein sein, Trauern und weinen. Andere brauchen dringend den Kontakt zu Freunden und haben das starke Bedürfnis über ihren Schmerz zu reden, ihn zu teilen. 

Warum ist das so und wie können Sie aus diesem Schmerz heraus in ein neues Leben finden?

Der Schmerz bei Trennungen erinnert uns an einen sehr alten Schmerz, der meist unbewusst in uns schlummert. Es ist der Schmerz der allerersten Trennungserfahrung in unserem Leben, der Trennung und Ablösung aus dem Paradies, dem geschützten Raum der Gebärmutter und der absoluten Bindung zum mütterlichen System. Hier fühlten wir uns geborgen, gehalten und beschützt. Wir waren über die Nabelschnur verbunden mit der Mutter, ja sogar in ihr System integriert. Es gab noch kein Ich und Du. Wir waren eins mit unserer Mutter und schwebten leicht, frei und geborgen im warmen Fruchtwasser, immer perfekt versorgt über die Nabelschnur. Diese Erfahrung hätte so ewig weitergehen können. Doch nach und nach wurde der Raum enger und es kam der Tag, an dem wir aus unserem schönen Paradies vertrieben wurden. Die Wehen setzten ein und damit, für die meisten Babys, ein schwieriger und erster, kräftezehrender Weg in diese Welt. Mit der Trennung der Nabelschnur wurde die Trennung vom mütterlichen System besiegelt. Alles war neu und anders. Nun hieß es selbst atmen, Nahrung aufnehmen, überhaupt für Nahrungszufuhr sorgen. Die stetige Wärme des Fruchtwassers wurde durch partielle Kuscheleinheiten der Mutter ersetzt. Der stetig fließende Strom an Nahrung wurde unterbrochen. Das Kind muss nun, durch Schreien, auf sich aufmerksam machen, um Nahrung, Wärme, Halt und Nähe zu bekommen. Das Paradies und die vollkommene Einheit mit der Mutter sind verloren. Das ist der erste riesengroße Schmerz, der ewig in unseren Zellen gespeichert bleibt und später die Sehnsucht nach dem Paradies, die Sehnsucht nach dem Verschmelzen mit einem lieben Menschen hervorruft. Nun gab es diesen wundervollen und so nahen Menschen, bei dem wir unsere Sehnsucht zu stillen versuchten. Es hat nicht gereicht und an dieser Stelle kam die Trennung. Wieder ist alles verloren, wieder wurden wir aus dem Paradies vertrieben, wieder sind wir allein in einer Welt, scheinbar ohne Halt, Nähe und Sicherheit. Der erneute Schmerz erinnert an den ersten großen Schmerz und fühlt sich deshalb so tief und stark an.

Eine weitere, wichtige Rolle für einen so mächtigen Trennungsschmerz, spielt ein Wesensanteil, das Innere Kind, mit seinen erlittenen Verletzungen. Haben sie als Kind öfters erfahren, dass sich ein Elternteil abgewendet hat oder mit Liebesentzug reagierte oder ihre Eltern haben sich getrennt, so werden sie später als Erwachsene, von ähnlichen Situationen stark getriggert. Die Erinnerung des verletzten Kindes von damals befindet sich noch immer in ihnen, als ein innerpsychischer Anteil. Nun ist eine ähnliche Verletzung wieder geschehen. Der geliebte Partner hat sich emotional von ihnen abgewendet und damit versiegte auch der Liebesfluss. Der alte Schmerz der Kindheit ist erneut aktiviert worden. Nun fühlen und handeln sie aus dem psychischen Anteil des Inneren Kindes und werden ganz von diesem eingenommen. Ein Kind fühlt sich hilflos, verlassen und ist sehr verängstigt, wenn sich ein Elternteil abwendet oder sogar ganz geht. Es versteht noch nicht, dass Mutter oder Vater vielleicht gerade selbst Probleme haben und sich deshalb so verhalten. Die Abwendung birgt für das Kind eine große Gefahr, denn es kann noch nicht für sich selbst sorgen und ist auf die Fürsorge und Liebe der Eltern angewiesen.

Eine Trennung und das Erleben des Trennungsschmerzes verlaufen in vier Phasen.

Die Phasen der Trennung:

1. Schock! „Wie konnte das passieren? Das kann doch nicht wahr sein?“ Die Gedanken an eine Trennung sind oft schon lange im Raum, doch es benötigt einige Zeit, damit sie reifen und am Ende auch ausgesprochen werden. Für den Partner kommt die Nachricht unverhofft und kann schockierend wirken. Hier spielt Verdrängung eine große Rolle, denn in den meisten Fällen gibt es ganz klare Vorzeichen, die nicht gesehen werden wollen. Es ist ein Schock und das von dem Menschen, den man so sehr liebt. Man ist nahezu erstarrt und gleichzeitig innerlich aufgewühlt. Es fällt schwer klare Gedanken zu fassen.

2. Nicht wahrhaben wollen! In der zweiten Phase, die sehr schnell einsetzten kann, wird die Trennung in Frage gestellt. Der Schmerz ist so groß, dass alle negativen Ereignisse verworfen werden und nur das Gute gesehen wird, dass ja nun verloren scheint. Man kann es nicht glauben und will es nicht wahrhaben. Das gemeinsame Leben, die gemeinsamen Zukunftspläne, die vielen schönen Stunden und Erlebnisse, all das soll jetzt für immer vorbei sein? Es kommen Gedanken, dass es sich der Ex-Partner doch noch einmal anders überlegen könnte oder man grübelt, wie man seinen Partner wieder zurückgewinnen könnte. Viele Aussagen und Handlungen des Ex-Partners werden falsch interpretiert, damit die Hoffnung bleibt.

3. Gefühlschaos! In der dritten Phase hat man begriffen, dass die Beziehung wirklich vorbei ist. Viele Menschen fallen in dieser Phase in ein weiteres emotionales Loch. Die Trennung ist nun real und die unterschiedlichsten Gefühle tauchen auf, Wut, Trauer, Schmerz und Hoffnungslosigkeit. In dieser Trennungsphase ist jeder Tag anders. Tiefe Traurigkeit und Tränen wechseln sich ab mit Wut und Verzweiflung. Einige Menschen fühlen sich ihren Emotionen komplett ausgeliefert, als hätten sie den Boden unter ihren Füßen verloren. Diese Phase nimmt meistens den größten Raum ein.

4. Neuorientierung! In der vierten Phase der Trennung wird nach und nach wieder Land gesehen. Häufig gibt es noch Gedanken an den Ex-Partner, aber die Zeiträume dazwischen werden größer, die Gedanken an ihn kürzer und die Trauer wird weniger. Das eigene Leben wird wieder aktiver in die eigenen Hände genommen. Energie und Lebenslust kehren zurück. Neue Dinge werden ausprobiert, neue Menschen kennengelernt und neue Interessen entdeckt. Das Gefühl, dass die Trennung richtig war, verstärkt sich immer mehr.

In jeder, der vier Phasen kann es zur Reflexion der Beziehung kommen. Die Reflexion der eigenen Anteile am Scheitern der Beziehung ist sehr wichtig, sollte jedoch nicht zur alleinigen Schuldzuweisung werden. Es ist gut, sich seine eigenen Themen anzuschauen und diese zu bearbeiten, um die gleichen Muster nicht in die nächste Beziehung mitzunehmen und nach einiger Zeit an einer ähnlichen Stelle der Verzweiflung und des Schmerzes aufzuwachen. Allerdings ist auch Vorsicht geboten, denn all zu schnell schaut man entweder nur, was der Partner alles falsch gemacht hat und analysiert diesen oder gibt sich die alleinige Schuld am Scheitern und rutscht dabei immer tiefer in die Selbstentwertung.

Was können Sie tun? Wie kommen Sie gut durch diese schwere Zeit und zurück zu ihrer Lebensfreude?

Die Trennung ist ausgesprochen und der Schmerz groß. Es ist kaum zu fassen und der Schock sitzt tief. Eine unendliche Traurigkeit und Hoffnungslosigkeit machen sich breit. Lassen Sie den Tränen und all ihren Gefühlen freien Lauf, lassen sie diese zu. Sie müssen jetzt nicht stark sein und über den Dingen stehen. Schluchzen sie, weinen sie, erlauben sie sich wütend zu sein. Vielleicht hilft es ihnen laut zu schreien, all den Frust über die Stimme rauszulassen oder es hilft ihnen Bewegung. Gehen sie laufen, joggen oder Rad fahren. 

Holen sie sich Hilfe und Beistand bei Freunden oder der Familie. Sie müssen nicht alles allein schaffen. An dieser Stelle bewähren sich gute Freunde, die sie in den Arm nehmen, halten und ihnen zuhören, die für sie da sind. Scheuen sie sich nicht um Hilfe und Kontakt zu fragen. Seien sie mutig und wagen den Schritt, auch wenn es ihnen sonst sehr schwer fällt um Hilfe zu bitten, da sie stark sein wollen. Jetzt, wo scheinbar alles zusammenbricht, dürfen sie einmal schwach und bedürftig sein.

Vielleicht ist ihnen aber überhaupt nicht nach Kontakt, sondern eher nach Rückzug. Nehmen sie auch dieses Bedürfnis ernst. Legen sie einen oder mehrere Tage Pause ein, in denen sie ganz für sich und mit ihren Gefühlen sein dürfen. Arbeit kann eine gute Ablenkung sein, aber meistens ist die Konzentration schwierig und die Trauerarbeit wird nur verschoben. Ob sie wollen oder nicht, sie müssen jetzt durch die Phasen der Trennung hindurch und das am Besten mit ganz viel Liebe zu sich selbst. 

In Phase zwei müssen sie besonders aufpassen, denn hier kann es sein, dass sie wieder Kontakt mit dem Expartner aufnehmen wollen, da in ihnen noch immer Hoffnung besteht, dass alles wieder gut werden könnte. Das ist nicht generell auszuschließen, aber in den seltensten Fällen so. Es ist eher das „Nicht wahrhaben wollen“. All die verletzenden Dinge werden ausgeblendet und sie sehen nur noch das Gute. Vielleicht geben sie sich sogar die Schuld und wollen nun alles besser machen. Erneuter Kontakt und vielleicht sogar Ablehnung, wird sie noch tiefer in das Loch des Schmerzes ziehen. Versuchen sie den Kontakt zu meiden. Tun sie sich stattdessen etwas Gutes. Nehmen sie ein Bad mit einem schönen Duft, Essen sie etwas Leckeres, verwöhnen sie sich mit einer Massage, kaufen sie sich etwas Schönes, verbannen sie alle Erinnerungen an den Exfreund aus ihrer Wohnung und gestalten sie diese neu.

In Phase drei, wenn das Gefühlschaos erscheint, ist es besonders wichtig, gut für sich selbst zu sorgen. Lehnen Sie die auftretenden Gefühle nicht ab. Sie gehören zu ihnen und wollen angeschaut werden. Die Traurigkeit, dass es nun wirklich vorbei ist und damit auch die gemeinsame Zukunft und all das Schöne. Die Wut und die Machtlosigkeit, dass Sie es nicht verhindern konnten. Vielleicht auch Wut über das Verhalten ihres Partners oder sogar auf sich selbst. Die Liebe, die Sie noch immer empfinden, wenn Sie an die schönen, gemeinsamen Momente denken. In Phase drei ist auch Zeit zu Reflexion und Betrachtung. Es ist gut, sich bestimmte Dinge und Situationen der Beziehung, noch einmal genauer anzusehen. Wo entdecken Sie vielleicht Muster, die in vorherigen Beziehungen schon ähnlich aufgetreten sind? Hierbei geht es nicht darum die Schuld bei sich oder beim anderen zu suchen, sondern darum, für einen späteren Start in eine neue Beziehung vorzusorgen. 

Das Gefühlschaos ist überwunden, die Welt sieht nun wieder lichtvoller aus. In Phase vier geht es um den Neuanfang. Es ist an der Zeit ihr Leben neu zu gestalten und aktiv zu werden.

Die Zeit, die sie früher in Beziehung verbracht haben, steht ihnen nun ganz für sich selbst zur Verfügung. Wie möchten sie diese ausfüllen? Gibt es etwas, dass sie schon immer ausprobieren wollten, dass sie fasziniert? Vielleicht wollten sie schon immer mal ein Instrument spielen, eine Sportart ausprobieren, einen bestimmten Ort besuchen, meditieren oder tanzen lernen oder sich einfach viel öfter mit ihren Freunden treffen? Neue Hobbys bieten eine gute Möglichkeit mit interessanten Menschen in Kontakt zu kommen. Aber lassen sie sich Zeit und springen sie nicht gleich in die nächste Gelegenheit einer Beziehung. Die alten Wunden sollten erst einmal gut heilen, damit sie wieder ganz frei sind für das nächste Abenteuer. 

Denken sie daran, sie sind gerade der wichtigste Mensch in ihrem Leben. In allen vier Phasen ist Selbstliebe ein sehr wichtiges Element. Kümmern sie sich, wie eine liebevolle Mutter, um sich selbst und vor allem um ihren inneren Anteil des verletzten Kindes von damals. Spüren sie gut in sich hinein und finden sie heraus, was im Moment das Beste für sie ist, was sie brauchen. Schenken sie sich selbst viel Zeit, Aufmerksamkeit und Liebe. Seien sie mutig und holen sie sich Hilfe und Beistand bei Freunden, in der Familie oder auch bei einem Therapeuten. 

Autor: Sylvia Michael
Thema: Trennungsschmerz verarbeiten
Webseite: http://www.herz-ueber-kopf.info

Autorenprofil Sylvia Michael:

sylvia michael

Schwerpunkte: Paar- und Sexualtherapie, Beziehungs-Coaching, Selbstfindung, Krisenintervention, und Mediation, Therapie bei Zwängen, Süchten und chronischen psychischen wie physischen Erkrankungen Unternehmenscoaching für Teambuilding in bestehenden Organisationen

Ausbildung: diplomiert in Prozessorientierter Psychologie am Institut für Prozessarbeit Zürich/Schweiz, zertifiziert als Systemischer Business- und Unternehmer Coach, staatlich zugelassene Heilpraktikerin, arbeitet im deutschsprachigen Raum als prozessorientierte Therapeutin und Systemischer Coach, in eigener Praxis sowie medial über Skype-Video. Ein weiteres Tätigkeitsfeld stellt die Arbeit als freie Fachreferentin und Autorin dar.

Link: www.herz-ueber-kopf.info, www.naturheilpraxis-michael.de, Facebook: www.facebook.com/Sylvia-Michael-Ganzheitliche-Psychotherapie-Paartherapie-384444134970392/

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