Die Häufigkeit von Allergien ist besonders in der westlichen Welt in den letzten dreißig Jahren stetig gestiegen. Die Ursachen hierfür sind vielfältig und nicht immer eindeutig zu diagnostizieren.

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Tatsache aber ist, dass die Auseinandersetzung des Organismus mit über 100.000 chemischen und synthetischen Substanzen, zunehmender Umweltverschmutzung, Schwermetallbelastungen durch Amalgam, Blei, Cadmium u.a., übertriebener Hygiene, oxidativem Stress, Medikamenten, Elektrosmog und denaturierten Nahrungsmitteln einen permanenten Angriff auf das Immunsystem bedeutet. Viele dieser Substanzen kann der Organismus nicht abbauen und nicht ausscheiden. Sie verbleiben im System und werden zum Schutz der Organe im Zwischenzellgewebe, dem sog. Pischinger Raum oder Matrix abgelagert. Hier hemmen sie u.a. den Transport des Sauerstoffs, was einen hohen Energiemangel der Zellen zur Folge hat.

Je nach Konstitution und individueller Voraussetzung reagiert der Organismus auf diese Überforderung früher oder später mit einer Dekompensation. Er verliert die Fähigkeit auf eigentlich harmlose Stoffe wie Pollen, Tierhaare oder Nahrungsbestandteile angemessen zu reagieren. Stattdessen werden diese Stoffe als gefährlich eingestuft und Antikörper produziert, die bei einem erneuten Kontakt zu den spürbaren und- unerwünschten allergischen Reaktionen führen.

Die Bedeutung der Darmflora bei allergischen Erkrankungen

Während in der klassischen Schulmedizin oft die Diagnostik und Therapie nur auf die Unterdrückung der Symptome ausgerichtet ist, bleibt der Zustand der Darmflora häufig unberücksichtigt. Ganz zu Unrecht, wie ganzheitlich arbeitende Therapeuten wissen. Ist doch die Darmschleimhaut mit 80% aller Immunzellen Hauptkontaktfläche für Allergene. Diese machen den Darm im Falle einer unphysiologischen Fehlbesiedelung der Darmschleimhaut zu einem „Kriegsschauplatz“ bei allergischen Erkrankungen.

Welche Ursachen führen zu einer gestörten Darmflora?

Der Darm des ungeborenen Kindes im Mutterleib ist zunächst steril. Die Besiedelung mit der kommensalen Mikroflora beginnt erst mit der Geburt, wobei die Art der Geburt eine wesentliche Rolle spielt, sowie auch die nachfolgende Ernährung. So haben Kinder die per Kaiserschnitt geboren und mit industriell gefertigter Säuglingsnahrung ernährt werden, ein deutlich höheres Risiko für allergische Erkrankungen als vaginal geborene und gestillte Kinder. Mit dem Passieren des Geburtskanals nimmt der Säugling seine erste Keimbesiedelung   eine Art „Schluckimpfung“ auf. Diese frühkindliche Besiedelung leistet einen entscheidenden Beitrag zur immunologischen Entwicklung und Prägung des Immunsystems. Der „leere“ Darm eines durch Kaiserschnitt geborenen Kindes hingegen wird häufig von Fremdkeimen aus seinem Umfeld „fehlbesiedelt“ und diese überwuchern dann die kindliche Darmschleimhaut. Diese „Erwachsenenkeime“ stören nachhaltig den Aufbau der speziellen Mikroflora eines Säuglings. Sie gerät nun in eine Dysbalance, eine so genannte Dysbiose. Im frühen Kindesalter sollte eine Dominanz von Bifidobakterien und Laktobazillen in der Mikroflora herrschen und diese sich erst nach 1-3 Jahren in der Zusammensetzung der eines Erwachsenen angleichen.

Präventiv kann der frühzeitige Einsatz von bestimmten Probiotika in Schwangerschaft und Stillzeit für Schaffung günstiger Voraussetzungen dienen. Per Kaiserschnitt geborene Kinder können entsprechende Präparate vom ersten Lebenstag an oral zugeführt bekommen. Dies hilft möglichen Störungen im Aufbau der intestinalen Mikroflora gegenzusteuern und so der Entwicklung von Allergien entgegenzuwirken. 

In Zusammenarbeit mit einem ganzheitlich arbeitenden Therapeuten stehen für die Diagnostik spezielle Labore zur Verfügung. Durch eine Stuhlprobe kann schnell und unkompliziert der Zustand der gesamten Mikroflora beurteilt werden, einschließlich weiterer darmspezifischer Parameter, insbesondere das IgA (Schleimhautschutz)und das alphaAntitrypsin (Darmbarriere). 

Weitere Ursachen für eine veränderte Mikroflora (Dysbiose)

Ernährung: zu eiweiß- und fettreiche, ballaststoffarme Kost. Stark veränderte, denaturierte Nahrungsmittel. Fertigprodukte

Verdauungsstörungen: Über- oder Untersäuerung des Magens, Leber- und Gallenerkrankungen, insuffiziente Bereitstellung von Verdauungsenzymen der Bauchspeicheldrüse

Medikamenteneinnahme: Antibiotika, Kortikoide, Ovulationshemmer, Abführmittel, Hormone, Antivirostatika, Chemotherapie

Darminfektionen: durch Parasiten, Bakterien, Viren, Pilze

Darmerkrankungen: Morbus Crohn, Colitis ulcerosa, Divertikulitis, Divertikulose, Zöliakie, Tumoren

Motalitätsstörungen: Verstopfung, Durchfall 

Störungen der Immunabwehr: Autoimmunerkrankungen, 

Stressfaktoren: Schlafmangel, Überforderung, depressive Verstimmungen 

Störherde: insbesondere im Mund-Kieferbereich durch wurzelbehandelte oder tote Zähne, NICOs, und dadurch verursachte „silent inflammations“ (oft unbemerkte siechende Entzündungen)

Toxische Einflüsse: durch Genussgifte, Umweltbelastungen, Schwermetalle u.v.m.           

Das Leaky-Gut-Syndrom, der „durchlässige“ Darm           

Das Thema Allergie hat aber noch viele andere Facetten und nicht alle können in einem Blut-, Stuhl- oder Hauttest nachgewiesen werden. Dies sind insbesondere die Unverträglichkeiten oder maskierten Allergien. Kinesiologisch, mit der Bioresonanzmethode oder anderen ganzheitlichen Verfahren lassen sie sich aber gut erkennen.

Unverträglichkeiten treten auf, wenn die Barrierefunktion im Darm als wichtiges Kontaktorgan zwischen „innen und außen“ gestört ist. Als Barriere zum Immunsystem dienen im Darm drei Schichten, die Darmschleimhaut, eine Schleimschicht und die Darmflora. Gesunde Darmschleimhautzellen bilden eine geschlossene Schicht. Auf ihnen siedelt sich die Darmflora an.

Zusammen mit der Schleimschicht und dem wichtigen zugehörigen Antikörper dem Immunglobulin IgA, bilden sie einen  „Schutzanstrich“ für das Immunsystem und verhindern so das Eindringen von ungewünschten Stoffen in den Körper. Werden nun die Darmschleimhautzellen und ihre Verbindungen (die sog.tight junctions) geschädigt, entstehen Lücken im Abwehrsaum und die Schleimhaut bildet sich zurück ( Leaky-Gut-Syndrom). Dadurch können unerwünschte Stoffe in den Körper gelangen, so kann beispielsweise jedes größere Nahrungsmolekül auf diesem Wege die Lücken passieren und zu einem pathogenen Allergen werden. Das Blut reagiert auf dieses Eindringen mit einem erhöhten Histaminspiegel und es entstehen sog. „Pseudo-Allergien“. Die Ursachen einer Durchlässigkeitsstörung sind im Detail noch nicht vollständig geklärt. Die oben genannten Ursachen für Allergien sind aber auch hier von wesentlicher Bedeutung.

Besonders hervorzuheben sind Mangelzustände sowie Gärungs- und Fäulnisprozesse, die durch eine Dysbiose im Darm entstehen und ihrerseits wiederum das Immunsystem überlasten. 

Vielen Leidtragenden ist nicht bewusst, dass der Grund ihrer Beschwerden oder der ihrer Kinder eine Pseudo- oder maskierte Allergie ist. Folgende Symptome können darauf hinweisen: eine ständig verstopfte Nase oder häufiges Räuspern, immer wiederkehrende Infekte, Dauerhusten, reizbare und launische Kinder, die häufig müde sind und dunkle Ränder unter den Augen haben, die schlecht schlafen, oft über Bauchschmerzen klagen, unruhig sind und sich schlecht konzentrieren können. Erwachsene werden häufig unmittelbar nach dem Essen von einer bleiernen Müdigkeit überfallen („Fresskoma“). 

Die Getreide- und Glutenunverträglichkeit

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Es gibt drei Formen der glutenbedingten Erkrankungen

  • Der autoimmune Formenkreis, hierzu gehören alle Ausprägungen der echten Zöliakie
  • Die IgE- vermittelte Weizen-Allergie
  • Die IgG- immunvermittelte Gluten/Gliadin-Sensivität (non-celiac-gluten sensitivity, NCGS)

Die Ursache für die unter 3.) aufgeführte Immunreaktion liegt in der genetischen Veränderung des Getreides in den letzten vierzig Jahren, wodurch es zu einer Modifizierung der Gliadinstruktur (z.B. Anreicherung der Glia-29-Sequenz) und Veränderungen des Weizenkeim-Agglutinins (unverdauliches Weizenprotein mit toxischen Effekten) gekommen ist. Der Glutenanteil wurde dadurch vervielfacht. Diese „Getreide-Evolution“ vollzog sich zu schnell für unseren Organismus. Hieraus ergibt sich die Abwehrreaktion des Immunsystems, auch in Hinblick auf den hohen Konsum von Getreideprodukten in unserer Gesellschaft.

Die Histaminintoleranz

Histamin ist eine chemische Substanz und entsteht aus der Aminosäure L-Histidin. Dieser Prozess entsteht während der Lagerung und Reifung von Lebensmitteln. Im Köper kommt Histamin in den Mastzellen, basophilen Granulozyten und im Verdauungstrakt vor. Ein Zuviel an Histamin entsteht durch ein hohes Aufkommen in der Nahrung, dem Verzehr von anderen biogenen Aminen( Phenylethylamin, Tyramin, Serotonin), eine Hemmung der Histamin abbauenden Enzyme Diaminoxydase(DAO)und N-Methyltransferase, akute oder chronische Darmerkrankungen oder einem seltenen Enzymdefekt.  

Die wichtigste Substanz zum Abbau von über die Nahrung aufgenommenem Histamin, ist das Enzym Diaminoxydase(DAO). Für das endogen d.h. vom Körper gebildete Histamin ist es die NMethyltransferase. Sie sind wie auch andere Transferasen riboflavinabhängig (d.h. abhängig von Vitamin B2). Bestimmte Grunderkrankungen können daher den Histaminabbau beeinflussen.

So kann eine Überfunktion der Schilddrüse die Resorption von Riboflavin vermindern und eine Histaminintoleranz verstärken.

Weitere Co-Faktoren für das DAO sind Vitamin-B6 und Vitamin C. Werden diese Stoffe durch eine gestörte Darmschleimhaut nicht ausreichend resorbiert, können sich ebenfalls die Symptome einer Histaminintoleranz verstärken.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die adäquate Zusammensetzung der physiologischen Darmflora und damit auch die ausreichende Keimbesiedelung aller Darmaregionen in Dünn- und Dickdarm, von enormer Bedeutung in der Prävention- und Therapie von Allergien sind. In meiner Praxis versuche ich jedem Patienten mit einer Allergiesymptomatik die Wichtigkeit dieser Tatsache vor Therapiebeginn zu vermitteln. Die Symbioselenkung (d.h. der sanierende Aufbau der Darmflora), hat sich während meiner über 10jährigen Praxiszeit, als unentbehrliche Basis für jede Therapiebehandlung bewährt. Verglichen mit dem Bau eines Hauses bildet der Darm das Fundament, auf dem alles Weitere aufbaut, der Hausbau beginnt ja auch nicht im ersten Stock. Viele gescheiterte

Therapieansätze gründen vielleicht grade auf dieser Tatsache. Die erfolgreiche Sanierung des Darmmilieus ist meiner Erfahrung nach die beste Vorrausetzung für jede erfolgreiche Allergiebehandlung. 

Autor: Ursel Schaa, Heilpraktikerin
Thema: Ursachen von Allergien
Webseite: https://www.familienpraxis-schaa.de

Autorenprofil Ursel Schaa, Heilpraktikerin:

Naturheilpraxis für Kinder, Jugend und Familien.

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