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Darum werden Heilpflanzen bei Reizdarm so häufig eingesetzt

Das Reizdarmsyndrom (synonym gebräuchliche Bezeichnungen: Reizdarm, irritables Darmsyndrom, Reizkolon, Colon irritabile) ist eine sehr häufige Erkrankung.

kamillentee-heilpflanzen

Rund 15 bis 20 Prozent der Bevölkerung Deutschlands leiden darunter. Das Krankheitsbild zeichnet sich durch unterschiedliche Beschwerden aus. Dazu zählen krampfartige Bauchschmerzen, die von Stuhlunregelmäßigkeiten wie Verstopfung oder Durchfall begleitet sind. Eine abnorme Stuhlkonsistenz und Blähungen sind ebenfalls häufig. Schulmedizinische Diagnosemethoden wie Ultraschall, Blutuntersuchungen und Magen-Darm-Spiegelungen liefern typischerweise keine Befunde. Wenn durch die ärztliche Untersuchung andere Erkrankungen ausgeschlossen werden können, kann die Diagnose Reizdarm gestellt werden. Verschiedene Faktoren scheinen das Entstehen und die Prognose des Reizdarms zu beeinflussen. Dazu zählen unter anderem eine erhöhte Schmerzempfindung und Bewegungsstörung des Darms, Umwelteinflüsse, Stress, eine erbliche Veranlagung, Störungen der Darmflora (Dysbiose), Medikamenteneinnahme (zum Beispiel Antibiotika) und Regulationsstörungen des Immunsystems.

Eine wachsende Rolle spielt Naturheilkunde bei der Behandlung des Reizdarms. Betroffene, Ärzte und Heilpraktiker greifen bei der Behandlung des Reizdarmsyndroms immer häufiger zu Heilpflanzen. Verschiedene Heilpflanzen und deren Inhaltsstoffe können die Erkrankung positiv beeinflussen. Dies zeigt nicht nur die praktische Erfahrung, sondern mittlerweile auch verschiedene aussagekräftige Studien. Die entsprechende Heilpflanzen können als Tee oder Tinktur oder in Form von standardisierten Präparaten (Phytotherapeutika) angewandt werden.

Phytotherapie bei Reizdarm: diese Heilpflanzen haben sich bewährt

Die Behandlung von Beschwerden des Magen-Darm-Traktes mit Heilpflanzen hat eine lange Tradition. Schon die Arzneibücher aus dem antiken Griechenland führen viele Heilpflanzen auf, die bei Verdauungsbeschwerden hilfreich sein können. Dieses alte Wissen hat in großen Teilen bis heute Gültigkeit. Die moderne Forschung konnte zeigen, wie traditionell angewandte Heilpflanzen aufgrund ihrer charakteristischen Inhaltsstoffe wirken. Zu den bereits seit mehreren Jahrtausenden bei krampfartigen Beschwerden des Magen-Darm-Traktes eingesetzten Heilpflanzen zählen etwa die Arzneidrogen Myrrhe, Kamille oder Schafgarbe.

Myrrhe, Kamille und Kaffeekohle

Die Myrrhe ist das aus Balsambaumgewächsen gewonnene Harz. Dieses wirkt entzündungshemmend, pilzwidrig und krampflindernd. Bei Reizdarm wird Myrrhe meist in Kombination mit Kamille und Kaffeekohle eingesetzt, eine solche Kombination findet sich zum Beispiel im Präparat Myrrhinil-Intest. Die allseits bekannte Kamille hat ebenfalls schmerzlindernde, krampflösende und entzündungshemmende Eigenschaften. Die Kaffeekohle wirkt adstringierend, dadurch wird die Schleimhaut geschützt und die Flüssigkeitsbildung im Darm reduziert. Zudem wirkt Kaffeekohle durch ihre absorbierenden Eigenschaften entgiftend. Sie bindet damit zum Beispiel Toxine von pathogenen Darmkeimen. (1)

Die positive Wirkung der Kombination von Myrrhe, Kamille und Kaffeekohle zeigte unter anderem eine 2014 veröffentlichte Studie. Bei dieser nahmen 131 deutsche Arztpraxen teil. (2)

Heilpflanzen mit Ballaststoffen

Pflanzliche Ballaststoffe und Schleimstoffe haben sich bei der Behandlung des Reizdarms bewährt. Die regulieren die Darmtätigkeit, wirken reizlindernd und entzündungshemmend und fördern das Gleichgewicht der Darmflora. (3) Besonders aussichtsreich ist Studien zufolge die Anwendung der ballaststoffreichen Flohsamenschalen. Als Flohsamenschalen werden die Samenschalen der Wegericharten Plantago indica und Plantago afra bezeichnet. Sie können sowohl bei Durchfall, als auch bei Verstopfung hilfreich sein.

Anis, Fenchel, Koriander und Kümmel gegen Blähungen

Bei wiederkehrenden Blähungen hat sich die Anwendung mit Kümmel-, Anis-, Koriander und Fenchelfrüchten bewährt. Diese Mischung ist im Handel als sogenannter Vier-Winde-Tee erhältlich. Die ätherischen Öle der Früchte wirken entkrampfend, was bei krampfhaften Blähungen lindernd wirkt und den Abgang von Darmwinden erleichtert.

Cannabidiol (CBD) aus Cannabis gegen den Endocannabinoid-Mangel

cannabis

In den letzten Jahren wird die Anwendung des freiverkäuflichen Cannabinoids Cannabidiol (CBD) immer beliebter. CBD wird zwar aus Cannabis gewonnen, ist aber - im Gegensatz zu THC - nicht psychoaktiv und daher nicht verschreibungspflichtig. Aufgrund der unterschiedlichen Wirkungen von Cannabidiol (CBD) wird der Naturstoff heute bei vielen Erkrankungen empfohlen, so auch bei Reizdarm.

Der amerikanische Cannabis-Forscher Ethan Russo sieht einen Mangel an sogenannten Endocannabinoiden als Ursache für die Reizdarmerkrankung. Endocannabinoide sind Botenstoffe. Sie spielen bei der Verarbeitung von Schmerzen, beim psychischen Wohlergehen, der Regulierung von Entzündungen und der Stressantwort eine Rolle. Werden diese Endocannabinoide nicht ausreichend gebildet, kann dies laut Russo zu unterschiedlichen Beschwerden, vor allem Schmerzen führen. Typischerweise kann für diese Schmerzen keine Ursache gefunden werden. Neben dem Reizdarmsyndrom soll der Endocannabinoidmangel auch bei Migräne und Fibromyalgie eine Rolle spielen. (4)

CBD kann bei einem Endocannabinoidmangel hilfreich sein. Es steigert die Aktivität des körpereigenen Endocannabinoids Anandamid. Daneben können Patienten mit Reizdarm von seinen entzündungshemmenden, schlaffördernden und antidepressiven Eigenschaften profitieren.

Heilpflanzen bei Reizdarm richtig anwenden und wichtiger Hinweis

Heilpflanzen sind eine aussichtsreiche Therapieoption beim Reizdarmsyndrom. Sie werden meist gut vertragen, zahlreiche Studien bestätigen ihre Wirkung und gute Verträglichkeit. Artikel wie diese sind nicht dazu geeignet, eine Erkrankung selbst zu erkennen oder selbst zu behandeln. Wer eine Behandlung des Reizdarms mit Heilpflanzen beabsichtigt, sollte sich fachkundig beraten lassen. Dafür kommen Apotheker, Ärzte oder Heilpraktiker in Betracht.

Autor: Sebastian Vigl
Thema: Welche Heilpflanzen helfen bei Reizdarm
Webseite: https://ihre-heilpraktiker.berlin

Autorenprofil Sebastian Vigl:

Sebastian Vigl arbeitet bei Heilpraktiker Wanitschek & Vigl Berlin und ist Autor diverser Ratgeber. Zusammen mit seiner Praxiskollegin Anne Wanitschek veröffentlichte er im Herbst 2018 den Ratgeber „Cannabis und Cannabidiol (CBD) richtig anwenden“. Der Ratgeber bieten einen aktuellen und faktenbasierten Überblick über die Einsatzmöglichkeiten von Cannabis und CBD. Die Autoren zeigen, wie CBD bei über 40 Erkrankungen oder Beschwerden angewandt wird.

Quellenangaben:

(1) Vissiennon C, Goos KH, Arnhold J, Nieber K. Mechanisms on spasmolytic and anti-inflammatory effects of a herbal medicinal product consisting of myrrh, chamomile flower, and coffee charcoal. Wien Med Wochenschr. 2017 May;167(7-8):169-176
(2) Albrecht U, Müller V, Schneider B, Stange R. Efficacy and safety of a herbal medicinal product containing myrrh, chamomile and coffee charcoal for the treatment of gastrointestinal disorders: a non-interventional study. BMJ Open Gastroenterol. 2015 Feb 6;1(1):e000015
(3) Ford AC, Talley NJ, Spiegel BM, Foxx-Orenstein AE, Schiller L, Quigley EM, Moayyedi P. Effect of fibre, antispasmodics, and peppermint oil in the treatment of irritable bowel syndrome: systematic review and meta-analysis. BMJ. 2008 Nov 13;337:a2313
(4) Russo EB. Clinical Endocannabinoid Deficiency Reconsidered: Current Research Supports the Theory in Migraine, Fibromyalgia, Irritable Bowel, and Other Treatment-Resistant Syndromes. Cannabis Cannabinoid Res. 2016 Jul 1;1(1):154-165



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