Trennung vom Partner mit Kind - Was daraus wird, kommt sehr auf die Umstände an.

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Die Möglichkeiten, worum es sich dabei handeln kann, sind so komplex, dass dieser Beitrag in viele Details gehen müsste, um sie einigermaßen auszuloten. Besser schauen wir uns ein Fallbeispiel an. Damit bleibt zwar manches unerwähnt, was auch noch wichtig wäre zum Thema, aber der Vorteil liegt darin, dass ein konkreter Bezugspunkt gegeben ist, zu dem sich ein paar prägnante bedenkenswerte Aussagen formulieren lassen. Das Fallbeispiel ist authentisch, wenn auch etwas verfremdet, die Namen sind frei erfunden.

Lena hatte eine Affäre mit Dirk. Sie sehnte sich nach mehreren herben Enttäuschungen sehr nach einer stabilen Partnerschaft. Dirk war ein Narzisst, der sich für den vollkommenen Liebhaber hielt, nur leider bisher als solcher verkannt, und ihr das Blaue vom Himmel versprach. Bald schon wollte er unbedingt ein Kind mit ihr haben. Lena wollte nicht wirklich, aber er setzte sie unter Druck, und den Sex mit ihm fand sie eigentlich schön. Sie überspielte ihre Vorbehalte und verhütete nur halbherzig. Sie wurde schwanger. Die Beziehung zu Dirk war bereits brüchig, aber jetzt wurde die Spannung so hoch, dass die Brüchigkeite nach einigem hin und her in der Trennung endete. Lena überlegte ernsthaft, eine Abtreibung vornehmen zu lassen, als sie zufällig Levin begegnete, einem früheren Freund. Sie hatte sich von ihm getrennt, als er beruflich für eine Weile ins Ausland ging. Lewin war sehr enttäuscht, aber er empfand Lenas Verhalten als Erpressung und resignierte. Als sie sich nun wiedersahen, spürte Lena, wie er sie vermisst hatte, und wie auch ihre eigene Sympathie noch stark war; die frühere Liebe flammte wieder auf, stärker als je. Er war der erste, dem sie etwas von der Schwangerschaft sagte. Levin war ganz anders als Dirk. Er konnte Lena das verlässliche Gegenüber sein, das sie jetzt brauchte. Sie sprachen viel über Lenas Abtreibungsgedanken. Levins Bereitschaft, ihr auf dem Weg zur Geburt beizustehen und seine  Freude an der Vorstellung, dem Kind eine väterliche Bezugsperson sein zu dürfen, gaben den Ausschlag für Lena, das Kind auszutragen. Beide fanden es aber besser, erst einmal noch keine verbindliche Partnerschaft einzugehen.

Ein Mädchen kam zur Welt, Lena nannte es Lisa. Obwohl Lena Dirk verboten hatte, bei der Geburt dabei zu sein, und sich stattdessen von Levin begleiten ließ, dachte Dirk gar nicht daran, seine Rechte als leiblicher Vater abzutreten. Da es keinen triftigen Grund dafür gab, ihm das juristisch zu verweigern, musste Lena sich darauf einlassen, die heranwachsende Lisa zeitweise mit ihm zu teilen. Da sie sich in der Endphase ihres Studiums befand und Levin beruflich sehr eingespannt war, hatte das einerseits den Vorteil, dass sie etwas Entlastung erfuhr und  intensive Zeiten mit Levin verbringen konnte, die der Beziehung sehr gut taten. Andererseits war der unumgängliche Kontakt zu Dirk auch ein hoher Stressfaktor für Lena. Es zeigte sich jetzt stärker denn je, wie sehr Dirk auf sich selbst fixiert war; er konnte sich sogar die Realität nach Belieben dementsprechend zurechtbiegen. Zum Beispiel behauptete er vor den Behörden, Lena selbst habe das Kind unbedingt haben wollen.

So weit das Fallbeispiel. Wie diese Geschichte weiter geht, mag die Leserin und der Leser sich nach Belieben ausmalen.  Wir ziehen drei wichtige Schlüsse aus diesem Drama.

1.) Oberste Priorität hat, was für das Kind am besten ist

Als sich Lena für das Kind entschied, war ihr klar, dass dies die hundertprozentige Verantwortung für ihre Tochter einschließen würde. Das war ihr Leitprinzip in den Verhandlungen und im Umgang mit Dirk. Für sie stand fest, dass Lisa auf keinen Fall unter ihrem eigenen Problem mit Dirk leiden sollte. Wenn es darum ging, Kompromisse zu finden, stellte sie ihre eigenen Wünsche zurück, sofern es für Lisa das Bessere war. Dabei half ihr besonders die Langzeitperspektive: Auch wenn Dirk das Sorgerecht für Lisa bekommen würde, wodurch sie verpflichtet wäre, alle wichtigen Entscheidungen für Lisa in Absprache mit Dirk zu treffen, auch wenn Dirk in den Zeiten, die er allein mit Lisa verbrachte, einen ungünstigen Einfluss auf sie nehmen konnte: Das war alles nur ein Übergang. Alles würde in dieser Phase darauf ankommen, Lisa ein verlässliches, liebevolles  Zuhause zu geben. Aber Lena würde auch genau darauf achten, ob Dirks Umgang mit Lisa in den Grenzen des Zumutbaren bliebe und andernfalls nicht zögern, schützende Maßnahmen einzuleiten.

2.) Viel kommt darauf an, jetzt nicht allein gelassen zu sein

Für Lena und Lisa war es eine glückliche Fügung, dass gerade rechtzeitig Levin zur Verfügung stand. Er fand sich sehr gut in seiner Rolle als „Ersatzvater“ für Lisa ein. Eigentlich bildeten die drei von Beginn an eine richtige Kleinfamilie. Vielen Getrennten, ob sie das Kind bei sich haben oder nicht, geht das natürlich anders. Sie müssen aufpassen, sich  nicht zu bald aus der Not heraus wieder auf eine neue Partnerschaft festzulegen. Genauso wichtig ist es aber auch, nicht zuletzt wieder um des Kindes willen, dass sie sich aktiv darum bemühen, Unterstützung durch Rat und Tat zu bekommen und entlastende Freundschaften zu pflegen. So oder so hat ihnen die Trennung schmerzhafte seelische Wunden  zugefügt. Dieser Stressfaktor vereint sich mit der Herausforderung, jetzt allein zurechtkommen zu müssen. Klar, für einen Dirk ist das kein großes Problem, aber eine alleinerziehende Mutter kann unter diesen Umständen bald übermäßig beansprucht sein. Jetzt mag auch professionelle Beratung angebracht sein, wie zum Beispiel eine Psychotherapie,  um die Trennungswunde so heilsam wie möglich zu versorgen und aus den Enttäuschungen und Fehlern der Vergangenheit für die Zukunft zu lernen.

3.) Dem Schlussstrich müssen neue gute Ziele folgen

Mit einem Partner wie Dirk ist es eher wenig erfolgversprechend, in einer Paarberatung die vergangene gemeinsame Beziehung aufzuarbeiten, um in Zukunft ein wirklich gutes, versöhntes Verhältnis als Freunde zu pflegen. Aber nicht alle sind solche Dirks und wenn auf beiden Seiten die Bereitschaft und die Fähigkeit vorhanden sind, zu einer ehrlichen Verständigung zu gelangen, ist eine nachträgliche Paarberatung unbedingt zu empfehlen. Wenn nicht, gilt es für sich selbst Frieden mit dem andern zu finden. Für die organisatorischen Angelegenheiten bietet sich, falls man sich eher ohne fremde Hilfe nicht recht einigen kann, eine professionelle Mediationsberatung an. Das ist allemal besser als gleich zum Anwalt zu gehen.

Für Getrennte, denen es so geht wie Lena, kommt es sehr darauf an, das Vergangene wirklich und ganz zurückzulassen, daraus für die Zukunft zu lernen und neue lohnende Ziele in den Blick zu nehmen. Was vorbei ist, ist vorbei. Es ist nicht so außergewöhnlich wie man glauben möchte, wenn einem das Leben leidvolle Erfahrungen beschert, mit denen man überhaupt nicht gerechnet hat. Sie verlangen nach einer guten, sinnvollen Antwort, die wieder neue Lebensfreude aufkommen lässt. Je größer die Enttäuschung ist, desto schwieriger kann es werden, diese Antwort zu finden. Wenn wir aber daran glauben und nicht aufgeben, zeigt sie sich uns mehr und mehr, vorausgesetzt, wir lassen versöhnt zurück, was einmal war, und geben dem Neuen unser entschlossenes, ungeteiltes Jawort.

Autor: Dr. phil. Hans-Arved Willberg
Thema: Trennung vom Partner mit Kind
Webseite: http://www.life-consult.org

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