Wie verhalte ich mich bei einem alkoholkranken Partner?

6,7 Millionen Menschen der 18- bis 64-jährigen Bevölkerung in Deutschland konsumieren Alkohol in gesundheitlich riskanter Form.

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Etwa 1,6 Millionen Menschen dieser Altersgruppe gelten als alkoholabhängig. Laut Ärzteblatt ist die Alkoholabhängigkeit das größte Suchtproblem unserer Gesellschaft: „Circa ein bis drei Prozent der Bevölkerung sind alkoholabhängig“, das sind mindestens zwei Millionen Personen in Deutschland und ungefähr genauso viele sind durch Missbrauch gefährdet.

Gegen den gelegentlichen Konsum von Alkohol ist nichts einzuwenden, nur wo beginnt die Grenze zur Abhängigkeit?

In unserer Gesellschaft gehört der Alkohol dazu, ein Gläschen Wein am Abend, das Anstoßen zur bestandenen Prüfung, oder das „Brotzeitbier“. Oft dauert es viele Monate oder sogar Jahre bis das Umfeld realisiert, dass jemand alkoholabhängig ist. Es stellt sich nun die Frage, woran man eine Alkoholabhängigkeit erkennen kann. Folgende Kriterien sind wichtig:

  • Der Süchtige will (und kann) nicht ohne Alkohol sein, er braucht ihn,
  • er sieht das Problem nicht ein, er leugnet die Sucht,
  • und der Körper des Alkoholabhängigen entwickelt eine auffällige Toleranz dem Alkohol gegenüber, er verträgt viel, ohne dass es ihm anzumerken ist.

Eine Beziehung mit einem Alkoholkranken kann auf Dauer sehr belastend sein und gerade anfänglich ist es verständlich, dem Partner, bzw. der Partnerin helfen zu wollen. Zur Sorge um den Angehörigen kommen auch noch alltägliche Probleme, wie eventueller Arbeitsplatzverlust, vermehrter Streit oder finanzielle Ängste hinzu.  Es ist wichtig, dass Sie als Angehöriger wissen, dass Sucht eine Krankheit ist. Einer Alkoholkrankheit wird alles andere untergeordnet, denn der Alkohol ist der erste und mit Abstand der letzte Gedanke des Kranken. Wenn Sie mit einem Alkoholkranken in einer Beziehung sind oder sogar mit ihm zusammen leben, wissen Sie vielleicht nicht mehr, wie Sie sich am Besten verhalten sollten, weil die Sucht auch bei Ihnen sehr viel sorgenvollen Raum und Zeit in Anspruch nimmt.

Wie verhalte ich mich nun  bei einem alkoholkranken Partner?

Folgende Regeln sind wichtige Hilfemöglichkeiten, die im Umgang mit einem Alkoholsüchtigen zu beachten sind.  Sie sind bewährte Hinweise, die Sie unterstützen sollen, auch wenn es womöglich schwer möglich erscheint, sie umzusetzen.

  • Gestehen Sie sich ein, dass Ihre Frau bzw. Ihr Mann abhängig ist. Seien Sie absolut ehrlich zu sich selbst. Erst wenn Sie diese Tatsache nicht mehr beschönigen, wenn Sie keine Ausflüchte mehr für die Trinkgewohnheiten des Paartners bzw. der Partnerin finden, sind Sie in der Lage, Ihren eigenen Umgang mit der konfliktreichen Situation zu finden. Alkoholabhängigkeit ist eine Sucht, keine Frage des Willens. So lange Sie Ausreden für das Trinkverhalten finden, ist es schwer, nicht in eine sogenannte Co-Abhängigkeit zu geraten. Eine mögliche Co-Abhängigkeit erkennen Sie daran, dass Sie sich mehr Gedanken über Ihren Partner machen, als über sich selbst, oder auch dass Sie sich über die Tragweite der Problematik etwas vormachen.

  • Es ist das (Sucht)-Problem des Partners, nicht Ihres. Der, der trinkt ist der einzige, der dieses Problem auch lösen kann. Der Abhängige braucht Hilfe, professionelle Hilfe, die Sie nicht bieten können. Der Abhängige selbst muss sich das eingestehen und sie in Anspruch nehmen. Der Abhängige selbst muss erkennen, dass er ein Problem hat und er es mit allerhöchster Wahrscheinlichkeit nicht ohne professionelle Hilfe in den Griff bekommt. Auch für Sie als Angehörige(r) ist es ratsam, dass Sie sich professionellen Rat holen, um zu lernen, mit den Problemen, die die Sucht mit sich bringt umzugehen, oder auch die Beziehung zu beenden.

  • Verheimlichen Sie nichts, finden Sie keine Ausreden für den Süchtigen, verteidigen Sie ihn nicht. Wenn Sie so tun, als wäre alles in Ordnung, verstärkt das möglicherweise die Sucht und Sie werden Teil des Problems. Auch die Reue nach einem Alkoholabsturz istin der Regel nicht von Dauer, wenn sich der Süchtige nicht sofort professionelle Hilfe sucht. Es ist trotzdem wichtig, Geduld zu haben, denn eine Verhaltensänderung ist schwierig und braucht oft Zeit.

  • Während Ihr Partner betrunken ist, sprechen Sie ihn nicht auf seine Sucht an. In den Momenten des Rausches ist der Abhängige nicht in der Lage, wirklich zuzuhören. Möglicherweise reagiert er sehr ablehnend, bzw. sehr aggressiv. In einem Moment der Nüchternheit und Zugänglichkeit können Sie mit Ihrer Partnerin, bzw. Ihrem Partner sprechen, aber sehr sanft. Vorwürfe, Vorhaltungen und Drohungen können dazu führen, dass er / sie einen Grund findet, um zur Flasche zu greifen, bzw. Ihnen die Verantwortung zu übertragen für den neuerlichen Alkoholkonsum oder Ihnen sogar die Schuld zuzusprechen, dass er zum Alkohol greifen müsse.

  • Nicht jeder Alkoholiker wird aggressiv, wenn er im Rauschzustand ist. Falls Ihr Partner zu Gewalt neigt, gehen Sie ihm aus dem Weg, schützen Sie Ihre Kinder und rufen Sie gegebenenfalls die Polizei oder auch die TelefonSeelsorge an. Die TelefonSeelsorge ist eine bundesweite Organisation und ist rund um die Uhr erreichbar und anonym.

  • Seien Sie konsequent. Wenn Sie damit drohen, beim nächsten Alkoholabsturz zu Ihren Eltern zu gehen – müssen Sie es tun. Schützen Sie sie / ihn nicht. Sie sind weder der Therapeut noch der Heiler Ihres Partners. Sie sind verpflichtet, sich um sich und (wenn Sie welche haben) um Ihre Kinder zu kümmern.

  • Achten Sie auf sich, übernehmen Sie keine Verantwortung für das Verhalten Ihres Partners. Rufen Sie nicht bei seinem Arbeitgeber an, um ihn zu entschuldigen, lügen Sie Ihre Schwiegereltern bzw. Freunde nicht an und achten Sie darauf, dass Sie sich nicht überlasten.

  • Trinken Sie nicht in Gegenwart des Betroffenen und animieren Sie ihn auch nicht zum Trinken. Kaufen Sie keinen Alkohol ein und halten auch keinen Alkohol zu Hause griffbereit.

Wenn Sie an der Beziehung festhalten wollen, braucht jeder der Beteiligten professionelle Hilfe. Sie als Angehöriger, um zu wissen, wie Sie damit umgehen müssen, der Alkoholiker, um von der Sucht loszukommen und die Probleme, die dazu führen, zur Flasche zu greifen, in den Griff zu bekommen. Wenn der Alkohol zum täglichen Problem wird, sollten Sie ernsthaft darüber nachdenken, den Alkoholkranken zu verlassen. Vor allem, wenn Sie Kinder haben. Ein alkoholkranker Elternteil hinterlässt beim Kind lebenslange – oft schwerwiegende traumatische Folgen.

Sie können dem Abhängigen Hilfe in Form von Gesprächen anbieten, ihn auch währnd der Therapie unterstützen, aber den entscheidenden Schritt muss der Betroffene selbst tun. Wenn die Einsicht (noch) nicht vorhanden ist, müssen Sie das akzeptieren. Falls Ihr Partner schon bereit ist, einen Entzug zu machen, oder er den Entzug bereits hinter sich hat, kann Ihnen beiden gemeinsam eine Paartherapie bzw. Eheberatung eine gute Unterstützung sein, um mögliche alte problematische Muster zu durchbrechen, bzw. zu verändern.

Autor: Sonja Gubo
Thema: Wie verhalte ich mich bei einem alkoholkranken Partner?
Webseite: https://www.paartherapie-weilheim.de

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