Wie geht man mit schlecht gelaunten Kollegen um?

Der Arbeitsplatz sollte ein Ort sein, an dem man sich wohlfühlt. Leider ist es meist so, dass wie uns oft mit einem tiefen Seufzer sagen „wir müssen arbeiten“.  

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Arbeit gilt für viele Menschen als lästig und unangenehm, man kann den Feierabend oft kaum erwarten. Der Beruf bedeutet für viele Menschen: Erledigen von langweiligen oder unangenehmen Pflichten, Stress, Einschränkung der Zeit die man mit Kindern oder dem Partner oder sich selbst verbringen kann, aber oft auch, auf  die eigenen Grenzen zu stoßen.

Die Arbeit in heutiger Zeit bedeutet zunehmend für viele, vor allem nicht mehr ganz junge Menschen multiple neue Herausforderungen: Flexibilität ist gefragt, bezogen auf Arbeitsort, - aufgaben und zeit. Das erzeugt häufig Angst und als Folge psychische Probleme.

Bei der Einstellung zur Arbeit beginnt die Quelle der Unzufriedenheit.  Selbstverständlich dient die Arbeit dem persönlichen Unterhalt, entsprechend ist das Motto vieler Menschen: Man arbeitet, um zu leben. Natürlich muss Arbeit sein, wenn man nicht zu den wenigen Menschen gehört, die dies nicht brauchen. Daraus wird aber unglücklicherweise für viele: Man lebt, um zu arbeiten. Beides sollte hinterfragt werden, beides ist ungesund. Nicht zuletzt wird der Arbeitsplatz für mehr als 1,5 Millionen Menschen in Deutschland eine der Hauptquellen von Mobbing. Das bedeutet im Klartext: Horror wird empfunden-grade dort, wo man keine Möglichkeit hat, auszuweichen.

Dies stellt nur eine kleine Zusammenfassung der Arbeitssituation   und damit der Unzufriedenheit und Probleme rund um den Arbeitsplatz vieler Menschen in Deutschland dar. Gehört man zu den Glücklichen, die gutgelaunt zur Arbeit gehen stören die „schlechtgelaunten“ Kollegen massiv. Natürlich, es ist nicht angenehm, wenn Herr Müller täglich mit Leidensmiene „Guten Morgen“ wünscht, und damit denselben vermiest oder in Gesprächen lediglich geklagt wird. Das zieht einfach runter, auch wenn die eigene Laune tendenziell eher gut ist. Aber was tun: Ansprechen, ignorieren- oder …?

Genau hingucken beim Kollegen, den Menschen dahinter erkennen

Jeder von uns ist oft in seinen eigenen Kosmos und mit sich selbst beschäftigt. Oftmals sind Sie vielleicht selbst angespannt und empfinden die Aufgaben, die Sie zu bewältigen haben als anspruchsvoll. Da nervt der ständig jammernde oder gereizte Kollege/Kollegin besonders. Es lohnt sich allerdings, sich für die Person zu interessieren: Fragen Sie doch einfach mal nach, wie es ihm oder ihr geht und hören Sie genau hin. Vielleicht ist die private Situation ein Grund, vielleicht eine Erkrankung der Person selbst oder im nahem Umfeld, eine doppelt- oder dreifach Belastung zB. durch zu pflegende Elternteile oder Kinder, die neben dem Beruf versorgt erzogen und werden müssen. Häufig ist das mit Problemen in der Paarbeziehung verbunden. Vielleicht steckt mangelndes Selbstwertgefühl hinter der schlechten Laune, oft verbunden mit Perfektionismus, der manche Menschen an sich selbst scheitern lässt und extrem frustriert. Möglicherweise sind aber auch falsche Annahmen des Kollegen oder der Kollegin der Grund für das negative Verhalten: „Hier mag mich keiner“, oder: „Alle werden befördert, nur ich werde übersehen“. Ein weiterer häufiger Grund für schlechte Stimmung am Arbeitsplatz ist auch tatsächliches Übergehen und Rücksichtslosigkeiten der Anderen, die der sich betroffen Fühlende sich nicht traut, anzusprechen. In der Situation sensibel zu sein und das Gespräch zu suchen statt genervt zu sein kann ein wichtiger Schritt sein, das Problem hinter der „schlechten Laune“ zu erkennen und lösen zu helfen.

Also: Geben Sie sich die Mühe, genau und ohne Vorurteile zunächst hinzuschauen und hinzuhören, welche Situation hinter der Dauernegativstimmung stecken könnte, denn dann werden sie nicht mehr so negativ dem Kollegen oder der Kollegin oder selbst als Führungskraft ihrem Mitarbeiter gegenüber eingestellt sein und damit ihre eigene Einstellung zur ständig nörgelnden Person ändern. Möglicherweise findet ein erster Dialog zwischen Ihnen statt, der eine Veränderung möglich macht.

Vielleicht lernen Sie den Kollegen/die Kollegin von einer ganz anderen Seite kennen und erreichen eine besonders gute Teambildung auf diese Weise. Menschen wünschen sich Interesse an ihrer Person, da kann oft mit kleinen Maßnahmen eine große Wirkung erzielt werden.

Wie man in den Wald hineinruft so schallt es heraus

Wer sagt, dass man der Laune des Kollegen am Arbeitsplatz ausgeliefert ist: Es gibt viele Wege, ihr zu begegnen: Zunächst einmal mein Vorschlag eines kleinen Experiments:

Atmen sie tief durch, bevor Sie der Person begegnen, die das Arbeitsklima vermieft und lächeln Sie sie bewusst und aufrichtig an: Tun Sie es dann, wenn sie innerlich wirklich offen und freundlich sein können, denn sonst spürt ihr Gegenüber, das sie nur die Lippen nach oben ziehen und ihr Lächeln nicht echt ist. Schauen Sie ihn oder sie direkt und freundlich an. Viele Menschen freuen sich über ein offenes Lächeln sehr und erwidern es. Außerdem werden Sie selbst sich gleich besser fühlen. Die Tätigkeit ihrer Gesichtsmuskulatur beim Lächeln meldet ihrem Gehirn positive Signale zurück. Probieren Sie es aus!

Im direkten Kontakt fragen Sie bitte genau nach und hören Sie der Antwort wirklich zu. Wenn ihr Kollege /ihre Kollegin von ihren Kopfschmerzen erzählt- oder darüber klagt- zeigen Sie ihr Mitgefühl und bieten Hilfe an. Häufig spricht man reflexmäßig gleich selbst vom eigenen Befinden, so nach dem Motto: „Ach ja, gestern hatte ich auch solche Migräne, das sind Kopfschmerzen hoch zehn, da ist man wirklich platt, da hilft nicht mal eine Tablette“. Solch eine Reaktion vermitteln ihrem klagenden Kollegen, dass Sie nicht an ihm interessiert sind und er wird sich noch schlechter fühlen. Effektiver ist ein freundliches: Das tut mir leid, dass es Die heute schlecht geht. Kann ich Dir mit einer bei mir wirklich wirksamen Tablette helfen?

Eine weitere Möglichkeit dem Dauernörgler gegenüberzutreten ist die direkte Konfrontation:

Lassen Sie sich von der Laune Anderer nicht infizieren

Bemerken sie ihren wachsenden Unmut dem nörgelnden Kollegen gegenüber zunächst wertfrei und genau bei sich selbst: „Ich stelle fest, dass ich mich ärgere/mich genervt fühle/ unkonzentriert werde/ schlechte Laune bekomme…… durch das Verhalten des Kollegen/der Kollegin. Überlegen sie sich, ob es wert ist, dies zum Thema zu machen -sprich: Ob Sie anderweitig damit fertig werden können oder es als das nehmen können, was es ist: SEIN oder IHR Thema. Falls nicht und falls sie es nachhaltig stört, müssen sie handeln.

Sprechen Sie Ihren Eindruck direkt und vor Allem respektvoll, genau und ohne Vorwurf an:

„Ich habe den Eindruck, ich höre von Dir nur negative Äußerungen oder Klagen. Das macht mir schlechte Laune und ich habe dann weniger Lust, mit Dir die Mittagspause zu verbringen. Das finde ich schade, denn ich würde gern eine entspannte Pause mit Dir haben.“

Falls Ihr Gegenüber beleidigt, oder verärgert reagiert bleiben Sie in ihrer offenen Haltung. Erklären Sie, dass Sie ihn/sie auf keinen Fall kränken möchten, im Gegenteil, dass es Ihnen um ein gutes Büroklima geht. Wenn harter Widerstand kommt, bleibt nur noch, sich zurückzuziehen und auch das möglichst ohne Anklage und ohne inneren Groll anzukündigen: „Leider kann ich Deinen Klagen nicht gut zuhören, versteh daher bitte, dass ich jetzt wieder an meinen Schreibtisch gehe.“

Lob erzeugt Flügel

Versuchen Sie, egal ob sie Chef sind oder Kollege, die Dinge über dessen Verhalten hinaus zu sehen, die der unzufriedene Angestellte oder Kollege gut gemacht hat oder gut kann- Sie werden etwas finden! Ob es der leckere Kaffee, ist der gekocht wird oder der neue Haarschnitt der gefällt oder die zuverlässige Erinnerung an ihren wichtigen Termin: Sprechen sie das öfter ganz nebenbei an, selbst wenn die ersten Reaktionen noch keine Veränderung der Laune hervorbringen. Über kurz oder lang wird ihre wettschätzende Haltung Früchte tragen und die Laune verbessern. Und das nachhaltig!

Und schließlich:

Verwechseln Sie nicht private Freundschaften mit guter Kollegialität

Behalten Sie auf der Arbeit eine natürliche Distanz. Erwarten Sie nicht, dass gute Kollegen oder nette Arbeitnehmer sich ganz persönlich und selbstlos über ihre Beförderung oder den guten Bonus freuen. Fühlen Sie sich ebenfalls nicht zu 100 Prozent verantwortlich für dessen Unfähigkeiten, Missgeschicke oder Probleme: Helfen Sie, wenn Sie können in einem gesunden  kollegialen Maß, seien sie mitfühlend, aber schließen sie dann mit dem Thema ab. Am Arbeitsplatz ist auch eine gewisse Konkurrenz normal. Greifen Sie zu, wenn Sie die bessere Position angeboten bekommen ohne schlechtes Gewissen oder trotz des langen Gesichts des Kollegen.

Nehmen Sie es nicht persönlich, wenn ihr Kollege oder die Kollegin schlechte Laune hat, denn es ist seine oder Ihre: Nehmen Sie diese nicht mit nach Hause.

Autor: Claudia Roberts, Psychologin, Psychotherapie HPG, Coach, Paartherapeutin
Thema: Wie geht man mit schlecht gelaunten Kollegen um?
Webseite: https://www.bonesandbrain.de

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