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Als diese Artikelanfrage zum Thema „Mobbing“ bei mir eintraf und ich vor mich hin sinnierte, welchen Mehrwert oder welche Perspektive ich dazu anbieten könnte, die es nicht schon hundertfach in irgendwelchen Artikeln zu lesen gibt, entschied ich mich ganz bewusst alles weg zu lassen, was der rechtlichen Begriffsdefinition und/oder gesetzlich vorgeschriebener Verhaltensweisen entspricht.

Stattdessen entschied ich mich, in meiner Rolle als Begleiterin in der Bewusstseins- und Persönlichkeitsentwicklung, dem Thema des Mobbings mal aus dieser entwicklungspsychologischen Perspektive heraus zu begegnen und mich mit der Frage zu beschäftigen, was denn überhaupt an Kriterien erfüllt sein und zusammen kommen muss, damit sich ein Mensch als Opfer von Mobbing empfinden kann. Anders gesagt: Was unterscheidet denn die Menschen, die sich als Opfer solcher Vorgänge empfinden, von den Menschen, denen die gleichen Verhaltensweisen nichts auszumachen scheinen oder die auf eine entspannte Art mit solchen Vorfällen umgehen können.

Schauen wir uns doch mal einige der am häufigsten verwendeten Mobbing-Formen und Methoden an. Da haben wir zum Beispiel:

  • Das Vorenthalten von wichtigen Informationen oder das Sabotieren des Arbeitsflusses, damit es negative Konsequenzen nach sich zieht.
  • Kritik, die das Ziel verfolgt, andere lächerlich zu machen, einzuschüchtern und respektlos zu behandeln.
  • Das Lustig machen über körperliche Schwächen, die Figur oder Frisur, die Kleidung oder einen Sprachakzent oder die kulturelle Herkunft.
  • Systematisches Ausschließen, sei es von plötzlich verstummenden Pausengesprächen über kurzfristig verschobene Termine, die nicht kommuniziert werden, bis hin zu Sitzplätzen, die absichtlich belegt und nicht freigegeben werden oder dem Ausschließen bei gemeinsamen Feierlichkeiten.
  • Das Bloßstellen oder Kleinmachen, womöglich sogar vor versammelter Mannschaft.
  • Flurfunk, Lügen und Gerüchte, Klatsch und Tratsch verbreiten, um dem Ruf und Ansehen des Anderen zu schaden.
  • Beleidigungen, die direkt ausgesprochen oder hintenrum wie die angesprochenen Gerüchte verbreitet werden.
  • Androhung von Gewalt.

Schauen wir mal in unserer menschlichen Entwicklung in unserer Lebenslinie zurück: Wann und wo können wir das erste Mal ähnlich geartete Vorgänge beobachten?

Genau - wenn Kinder miteinander spielen. Terri O´Fallon und Ihr Bruder Kim Barta bezeichnen in ihrem entwicklungspsychologischen Modell STAGES diese Stufe als regelorientiert (2.0). Eine Entwicklungsstufe, in der Kindern plötzlich der Freund wichtiger wird als das Spielzeug. Das bedeutet, ab hier haben wir das Bedürfnis nach Kontakt und Austausch mit einem anderen Individuum und ab da auch ein erstes Verständnis und Bedürfnis nach Zugehörigkeit, welches wir entsprechend aufrechterhalten wollen.

Und sei es nun das „Nicht-mehr-mitspielen-dürfen“ und „Ausgeschlossen-werden“ oder der Verlust der Freundin/des Freundes, weil der/die mich plötzlich doof findet, wirkt ab da auf ein Kind bedrohlich.

In dieser Entwicklungsphase wächst unsere Bewusstheit auch in dem Bereich, in dem ein Kind erkennt, dass es nicht nur die anderen sehen kann, sondern auch von den anderen gesehen wird…  und dass die anderen vielleicht etwas sehen können, was mir verborgen ist. Ab hier wird es Kindern selbst wichtig, welche Kleidung sie tragen oder dass ihre Haare in Ordnung sind.

Beide Entwicklungselemente in Kombination sorgen dafür, dass wir erkennen, dass Andere im Außen ein Urteil über uns fällen können, dass sie da draußen darüber urteilen können, ob ich gut oder schlecht, lieb oder böse, schön oder hässlich bin und dass mein Ok-Sein darüber entscheidet, ob ich weiter mitspielen darf oder nicht, ob ich bestraft werde oder nicht, ob man mich liebt oder nicht.

In dieser Phase entwickeln Kinder dann auch die Fähigkeit Scham zu empfinden. Scham ist ein Gefühl, das entsteht, wenn wir glauben falsch- oder nicht ok zu sein oder so zu handeln.

Liest man sich jetzt nochmal die oben genannten Beispiele für Mobbingvorfälle durch, dann erkennt man sehr schnell, dass die „Spiele“ im Vergleich zur damaligen Kleinkindzeit wenn man aus Sicht der Musterebene drauf schaut, - eigentlich nicht wirklich anders sind.

Da unser Bewusstsein bis zu einem bestimmten Punkt automatisch mitwächst, sind allerdings die Verhaltensweisen, die auf dem Muster aufbauen, heute etwas cleverer ausgetüftelt als damals…, aber im Grunde läuft noch das gleiche Spiel…

Wer darf mit wem spielen, wer bekommt die Belohnung, wer das besondere Bonbon? Wen haben Mami und Papi lieber, wer hat die besseren, tolleren Freunde und wie kann ich dafür sorgen, wenn ich etwas behalten oder haben möchte, dass ich es auch bekomme und es nicht verliere.

Jetzt können wir uns fragen, wenn wir dieses erwachsene Kindergartenspiel betrachten, wie komme ich denn da raus oder was kann ich tun, damit ich kein sogenanntes Mobbing- Opfer werde?

Ich bleibe hier mal bei der entwicklungspsychologischen Perspektive: Wenn wir als Kinder aus dem erstaunlichen Gruppendruck, den wir in der regelorientierten Stufe erleben, weiter auf die sogenannte konformistische Stufe (2.5) wachsen, dann entsteht in unserer Bewusstheit die große Fähigkeit, uns aus der Gruppendynamik insofern lösen zu können, dass wir uns ihr nicht mehr so ausgeliefert fühlen, sondern dass wir zunehmend in der Lage sind, uns eigene Prinzipien zu verinnerlichen und uns an diesen zu orientieren und uns nach ihnen zu richten. Das hat zur Folge, dass wir uns auch der Meinung der Gruppe entgegenstellen und für unsere Prinzipien einstehen können - im Zweifel auch dann, wenn wir alleine dort stehen. Hier bildet sich ein Gefühl von persönlicher Sicherheit und Stabilität aus, welches nicht mehr von der Gruppenzugehörigkeit abhängig gemacht wird.

Da Mobbing meist durch eine Gruppe, die sich zusammenschließt, ausgeübt wird und - wie wir oben gesehen haben - die meisten Techniken darauf abzielen sollen, die Zugehörigkeit zur Gruppe zu verlieren, besteht ein erster wichtiger Schritt darin -falls  man sich selbst nicht (mehr) zum „Opfer“ machen möchte - zu erkennen, dass Ich nicht die Gruppe bin. Ich bin ich - und das ist die Gruppe. Dazu gehört auch,  sich ganz bewusst zu machen, dass das heutige Ich nicht mehr identisch mit dem Kind aus der regelorientierten Phase ist, sondern dass ich heute in der Lage bin, ohne diese Gruppe zu überleben und dass es meine Prinzipien sind, die mir Sicherheit und Stabilität geben – und nicht die Zugehörigkeit zu einer Gruppe.

Wenn es mir gelingt, mir das bewusst zu machen, verlieren viele der oben genannten Methoden schlagartig an Macht (was nicht heißt, dass ich mir das gefallen lassen muss - aber dazu später mehr).

Was kann ich noch tun?

Und vielleicht ist in diesen Zeilen schon spürbar, wieviel Selbstermächtigung und Zuversicht in die eigene Gestaltungskraft wir uns hierdurch ermöglichen, wenn wir uns diese Bewusstheit als Ressource nehmen.

Ab hier erkennen wir die wundervollen Möglichkeiten des Zustandsmanagements. Wir können Methoden und Techniken erlernen, mit denen wir unsere Gefühle verändern können. Wir erkennen, dass wir das empfundene Leid, die Trauer, den Schmerz, die Empörung nicht einfach erdulden müssen und dem ausgeliefert sind, sondern dass es Mittel und Techniken gibt, um uns in andere Gefühlszustände zu bringen. Aus diesen heraus sind wir in der Lage das zu verarbeiten, was uns in den Mobbingsituationen widerfährt und wie wir welche unserer Ressourcen aktivieren und nutzen müssen, um uns entweder zu wehren, für uns einzustehen oder uns aus diesen Situationen befreien zu können. Ab hier können wir ganz bewusst konkrete und subtile Pläne schmieden und diese in die Zukunft projizieren, um uns aus dieser Situation zu befreien.

Auch hier ist wohl schon in den Zeilen spürbar, wieviel mehr Selbstermächtigung darin enthalten ist und die Opferenergie sich hin zu einer Lösungs- und Zielorientierung wandelt - und das ganz aus eigener Kraft!

Häufig nehmen Mobbing-Vorfälle, wenn das bisher Genannte bewusst umgesetzt wird, schon deutlicher ab, denn das Kindergartenspiel wird weniger mit Energie versorgt und zum Teil schon nicht mehr mitgespielt. Die anderen spüren, dass das mutmaßliche Opfer vielleicht gar kein sinnvolles Opfer mehr ist und dass es zu gefährlich wird, sich mit diesem Spielpartner weiter abzugeben, wenn man nicht verlieren und selbst Konsequenzen davon tragen möchte, die die Zugehörigkeit zur Gruppe gefährden.

Das Schöne ist, dass sich das Spiel hier meist zu drehen beginnt, ohne dass ich mit gleichen Mitteln kämpfen muss. Und mit einer leistungsorientierten Bewusstheit (3.5) gelingt es uns auch gut Erfolge zu reflektieren. Zu reflektieren, ob unsere Vorgehensweise - unser Plan – etwas bringt oder ob wir diese(n) anpassen oder das Ziel vielleicht neu definieren und/oder loslassen müssen.

Um auf dem Boden der Tatsachen zu bleiben, gibt es aber auch Mobbingfälle, die sich nicht so leicht und durch reines bewusstes Handeln unterbrechen und beenden lassen. Manchmal laufen diese Muster schon so lange oder gehören innerhalb einer Organisation so zur Kultur, dass wir nicht einfach aussteigen können und es dafür Hilfe und Unterstützung im Außen braucht.

Also bitte scheue nicht davor Dir im Rahmen aller rechtlichen und gesetzlichen Möglichkeiten Unterstützung zu holen und für Dich einzustehen.

An dieser Stelle möchte ich allerdings appellieren achtsam zu sein. Mobbing hinterlässt Spuren, wenn wir uns nicht ganz bewusst mit den Mustern dahinter und den entstandenen Wunden beschäftigen. Wenn diese zu Grunde liegenden Muster unerkannt bleiben, dann kommt es nicht selten vor, dass sich Mobbingsituationen auch bei Unternehmens- und oder Teamwechsel wiederholen.

Ab einer pluralistischen (4.0) Bewusstseinsstufe werden wir uns unserer inneren Anteile zunehmend bewusst und können diese immer differenzierter wahrnehmen und miteinander in Austausch bringen. Dann gelingt es uns häufig auf eine sehr effiziente und effektive Art und Weise, das individuelle Einfallstor für Mobbingenergie zu finden und im besten Fall so zu schließen, dass wir nicht mehr so anfällig für Wiederholungen sind oder uns deutlich schneller aus solchen Situationen selbstbestimmt befreien können.

Die gute Nachricht ist, dass wir selbst bevor wir uns in unserer aktuellen Bewusstseinsentwicklung auf einer pluralistischen Stufe (4.0) befinden, Methoden und Techniken nutzen können, die aus späteren Stufen abgeleitet wurden. (auf der Ich- Entwicklungsstufe 4.0 befinden sich aktuell erst rund 10% der westlichen Bevölkerungsschicht (Vergleich Rooke/Torbert – Studie) und 5% auf 4.5 und später)

Beim Aufarbeiten tiefliegender Muster und Schatten gilt es zu beachten, dass wir an dieser Stelle im Selbstcoaching häufig an unsere Grenzen kommen.

Insbesondere ein Entwicklungsbegleiter, der selbst aus einer späten Stufe heraus denkt und handelt (spät definiere ich hier als mindestens 4.0 und später) kann beim Aufarbeiten tiefliegender Muster und Schatten - mit entsprechender Bewusstheit für die Komplexität des Gesamtprozesses – diesen Prozess gesund und nachhaltig unterstützen und begleiten. 

Möchtest Du ein paar erste Ansätze, wie Du Deine Situation für Dich reflektieren kannst?

Wie es Dir gelingt eine höhere Bewusstheit über Deine aktuelle Situation zu erhalten?

Dann schau gern auf meinem SKillCare Podcast vorbei.

Hier wird in den nächsten Tagen nach der Veröffentlichung dieses Artikels eine Podcast Folge online gehen, die Dir Vorschläge für ein erstes Selbstcoaching macht.

Autor: Silke Koch
Thema: Das Thema Mobbing aus einer entwicklungspsychologischen Perspektive
Webseite: http://www.skillcare.de

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