Konflikte in der Partnerschaft lösen

Von Paartherapeutin Monica Link M.A. aus Oberursel, im Dezember 2020

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Was verstehen wir unter einem Konflikt?

Es handelt sich um zwei scheinbar unvereinbare Interessen, Wertvorstellungen oder Wertesysteme oder auch Zielsetzungen, die im Widerstreit zu einander stehen, wie zum Beispiel Autonomie, Selbstbestimmung und Selbstentfaltung versus das Bestreben nach Sicherheit, Nähe und Kontrolle.

Konflikte in Partnerschaften handeln häufig von:

  • Rollenkonflikten, z.B. Gleichberechtigung versus Dominanz
  • Zielkonflikten, z.B. Elternschaft versus Paar-Leben oder beruflicher Karriere
  • Verteilungskonflikte: Wer verfügt über welche Ressourcen, z.B. finanzieller, sozialer oder gesundheitlicher Art und bestimmt ihre Nutzung?

Machtkonflikten: Wessen Interessen setzen sich durch?

John Gottman, ein bekannter US- Paarforscher, bestätigt, dass rund 70% aller Paar-Konflikte nicht lösbar sind. Es gilt also, als Paar Lösungen zu finden, um mit Problemen leben zu können und darum, unsere Frustrationstoleranz zu erhöhen.

Jeder Partner muss sich über grundlegende Fragen klarwerden: Unter welchen Bedingungen kann ich meinen Platz in der Paarbeziehung weiterhin erfüllen?

Welche Bedürfnisse sind nicht verhandelbar, unabdingbar für meine Selbstachtung, meine persönliche Entwicklung?

Auf welche Elemente will ich nicht verzichten in der Liebesbeziehung? Sind das Treue, exklusive Sexualität, Bindung, Loyalität, Fürsorge, berufliche Unterstützung, Elternschaft, Intimität und Leidenschaft, Gleichberechtigung? Wie sehen meine Beziehungserwartungen aus?

Welche Konfliktlösungsstrategien bei Beziehungserwartungs -Störungen sind möglich?

1.) Rückzug, emotional und verbal, Aufgabe der an den anderen gerichteten Bedürfnisse, Akzeptanz der Wunsch-Frustration.

2.) Durchsetzung der eigenen Interessen, auch auf das Risiko hin, den anderen zu verletzen oder gar zu verlieren.

3.) Nachgeben und sich beim nächsten Konflikt durchsetzen im Sinne einer Kooperation, einer Art Tauschhandel: Heute helfe ich dir bei der Umsetzung deiner Bedürfnisse und bringe ein freiwilliges Opfer, beim nächsten Mal bekomme ich deine Unterstützung in einer für mich wichtigen Angelegenheit und du ordnest dich unter.

Die wichtige Frage, die sich beide Partner stellen, lautet: Geht es bei uns gerecht zu? Gehen wir fair miteinander um?

4.) Kompromisse finden, die beide Interessen gleichermaßen berücksichtigt: Statt „entweder-oder“ ist ein „sowohl – als auch“ oft die bestmögliche Lösung – aber eben auch nicht immer möglich. Ein Kinderwunsch lässt sich eventuell noch ein wenig verschieben, aber der endgültige Verzicht kann einen zu hohen Preis für das Fortbestehen der Beziehung darstellen.

Einen Konflikt anzuerkennen und ihn möglichst objektiv zu beschreiben ist wichtig, um aus der Vorwurfspirale einen Ausweg zu finden. Statt zu sagen: „Ich bin ja nur so, weil du so bist“ ist es besser, einen Perspektivwechsel einzunehmen und es für möglich zu halten, dass der Blickwinkel des Partners nicht zwingend falsch sein muss, nur weil er nicht dem eigenen entspricht, sondern eine weitere Möglichkeit darstellt, das Zusammenleben, die Beziehung oder die Familie wahrzunehmen. Es ist hilfreich, dem Partner Wohlwollen und gute Absichten zu unterstellen.

Wie gelingt es uns, eine Verbindung herzustellen, auch wenn wir in einer Sache anderer Meinung sind? Indem wir mit Offenheit, Betroffenheit und einem Zweifel an unserer eigenen Haltung reagieren. „Ach so siehst du das?“

Hilflosigkeit zu zeigen, schafft Verbindung. Harte, unnachgiebige Positionen führen beinahe zwangsläufig zu Abwehrhaltungen – und Reaktionen, denn unsere Selbstbestimmung ist uns heilig und wird nicht selten mit Trotz verwechselt.

Selten gibt es eindeutige Falsch- oder Richtig-Seiten und die Idee, weitere Parteien, wie z.B. Eltern oder Freunde, zu loyalen Mitstreitern und Unterstützern auf dem Weg zur Durchsetzung der eigenen Vorstellungen zu machen, ist ein großer Fehler und vertieft den Graben noch.

Eine professionelle Paarberatung oder Mediation kann hier helfen, da es das erklärte Ziel ist, eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten zu schaffen. Erst wenn es ein befriedigendes Ergebnis für beide Partner gibt, gilt der der Mediationsprozess als beendet. Paartherapie kann darüber hinaus konstruktive Kommunikationsstrategien vermitteln und auch die Hintergründe immer wieder auftretender Paarkonflikte aufdecken und bearbeiten, wie z.B. dysfunktionale Beziehungsmuster.

Was brauchen die Partner für eine Beendigung des Konfliktgeschehens? Welche Zugeständnisse, welches Maß an Verständnis, vielleicht eine Entschuldigung, die nur ohne jede Rechtfertigung, als Eingeständnis, verletzt zu haben, akzeptiert werden kann, werden benötigt?

Verletzte Treue-Versprechen, emotionale Kälte, finanzielle Vorteilnahme oder Geiz, religiöse Überzeugungen, Vorstellungen von Ordnung und Hygiene, Umgang mit Drogen, Kontakt zur Herkunftsfamilie und Freunden sowie Kindererziehung sind häufig wiederkehrende Konfliktthemen, die ein Liebespaar, das auch einen gemeinsamen Haushalt oder vielleicht eine Familie gründen will, aus der romantischen Illusion von Harmonie, Großzügigkeit und grenzenlosem Verstehen und Akzeptanz reißen können und zum Aushandeln der neu zu  geltenden Spielregeln im partnerschaftlichen Leben zwingen.

Diese Auseinandersetzung mit häufig recht unterschiedlichen Vorstellungen bedeutet eine große Herausforderung für jedes Paar und niemand sollte sich scheuen zuzugeben, dass Hilfe benötigt wird, um das Paarleben möglichst konfliktarm oder doch zumindest konfliktfähig zu bewältigen, ohne die Liebe zueinander zu verlieren.

Erst die emotionale Begegnung als Paar, das sich eingesteht, weniger das Wir im Fokus zu haben sondern zu Einzelkämpfern geworden zu sein, öffnet wieder einen Raum für gemeinsame Lösungsversuche.

Autor: Monica Link, Paartherapeutin
Thema: Konflikte in der Partnerschaft lösen
Webseite: http://www.monicalink.de

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