Emotionale Instabilität: was tun?

Was tun, wenn man emotional instabil ist - ein ungemein spannendes Thema, dass gleichermaßen umfassend ist, sodass es in diesem kurzen Artikel wahrlich nur angerissen werden kann und bei weitem nicht den Anspruch auf Vollständigkeit erhebt. Hier jedoch vereinfacht dargestellt ein paar fundamentale Punkte.

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Emotionale Instabilität kann vielerlei Hintergründe und Ursachen haben, wie zum Beispiel Veranlagung, körperliche Krankheiten oder Dysfunktionalitäten, aktuelle Lebensumstände, Hochsensibilität, Drogenkonsum und Medikamente, Traumata oder eine Kombination von allem. Ganz gleich der Hintergründe, gehen wir hier einfach mal von der aktuellen Ist-Situation aus und fragen uns: Wie kann ich emotionale Stabilität erlangen?

Der Überlebensmodus

Menschen, die emotionale Instabilität erfahren, fühlen sich in der Regel in ihrem Körper nicht sicher, sie "ruhen" nicht in sich, ihr "innerer Radar", d.h. ihre Intuition ist getrübt und sie haben somit meist wenig Vertrauen sich selbst und ihren Gefühlen gegenüber. Ihnen fällt es schwer Situationen korrekt einzuschätzen und emotional abzugleichen, sodass sie sich emotional oft in den Extremen der Gefühlspalette wiederfinden oder gar keinen Zugang zu sich haben, also emotional Taub sind.

Diese innere Unsicherheit, Situationen und eigene Emotionen wahrnehmen und richtig einschätzen zu können, kann leicht zu chronischen Stress führen: das Nervensystem befindet sich folglich ständig im Überlebensmodus und das eigene Leben wird, basierend auf den unterbewussten Überlebensprogrammen, aus dem Impuls heraus gesteuert. Das führt dazu, dass es einem so vorkommt, als hätte man selbst keine Handhabe seine Gefühle kontrollieren zu können - "sie passieren halt einfach so" oder „es überkommt einen irgendwie“.

Gefühlsbewusstheit

Dies bedeutet, um emotionale Stabilität zu gewinnen, muss man seinem Nervensystem beibringen, weg vom Überlebensmodus hin zum Lebensmodus zu kommen, sodass man nicht mehr von Impulsen und Überlebensprogrammen (fern)gesteuert wird, sondern SELBST-bewusst interagiert.

Der erste Schritt in diese Richtung liegt darin, sich seiner Trigger bewusst zu werden, die zu bestimmten, impulsiven oder schwankenden Gefühlsszenarien führen können (z.B. Was löst in mir Wut, Trauer, Scham oder Angst aus?). Denn, solange man sich seiner inneren Stressmuster nicht bewusst ist, hat man das Gefühl gegen unsichtbare Geister zu kämpfen und keine Kontrolle über seine Gefühle zu haben. Durch das identifizieren der Trigger wird man sich auch des Gefühls bewusst, das damit verbunden ist, auch wenn es einem vielleicht anfangs noch schwer fällt dies zu benennen, doch das ist alles Übungssache: neuro-mentale Konditionierung.

Nachdem man angefangen hat seine Trigger zu identifizieren, kann man im nächsten Schritt dazu übergehen, das jeweilige Gefühl zu orten, wo im Körper man es wahrnimmt (z.B. Wo genau spüre ich meine Wut, Trauer, Angst, Scham oder Schuld?). Auch das ist Übungssache, vor allem bei Menschen, die (noch) nichts wahrnehmen, weil sie vielleicht irgendwann einmal eine innere Schutzmauer aufgebaut haben. Doch auch das Gefühl von Taubheit ist ein Gefühl.

Im dritten Schritt folgt die Akzeptanz des, durch den Trigger ausgelösten und im Körper wahrgenommenen, Gefühls. Auch das ist kein leichter Schritt, denn nicht umsonst hat man ja (meist unbewusst) versucht unangenehme Gefühle irgendwie zu verdrängen, zu manipulieren oder auf das Umfeld zu projizieren - wodurch sie natürlich nicht "weg" waren und uns weiterhin in Form von unbewussten Programmen und Mustern impulsiv gesteuert haben.

Doch indem wir lernen unangenehme Gefühle als Teil unseres Selbst anzunehmen, auszuhalten und zu akzeptieren, verlieren sie ihre Bedrohlichkeit und wir brauchen nicht weiterhin in der Angst leben von irgendwelchen Triggern "plötzlich" überrumpelt zu werden. Wir fangen an unserem Nervensystem bewusst zu sagen "Hey, es besteht keine Gefahr, ich habe alles unter Kontrolle!". Das Nervensystem kann beginnen zu entspannen und vom Überlebensmodus loszulassen, da wir angefangen haben unsere Gefühle bewusst "aushalten zu können" und Verantwortung für sie zu übernehmen.

Aufbau emotionaler Fitness

Ein wunderbarer Weg zum Aufbau emotionaler Stärke und Stresswiderstandsfähigkeit liegt im regelmäßigen Verlassen der eigenen Komfortzone. Je öfter wir uns bewusst in emotional "unbequeme" aber nicht lebensbedrohliche Situationen bringen und uns "unangenehmen" Gefühlen stellen, desto mehr Selbstbewusstsein bauen wir auf ohne ständig getriggert und von Impulsen gesteuert werden zu müssen. Das können ganz banale Dinge sein, wie z.B. sich anstatt mit rechts, mal mit links zu rasieren oder mal einen anderen Weg als üblich nach Hause zu gehen oder sich schwierigen Gesprächen stellen oder gesunde Grenzen zu ziehen oder mal morgens den üblichen Kaffee auszulassen, bis hin zum disziplinierten Einhalten des Workout-Programms - der Phantasie sind da wenig Grenzen gesetzt.

Natürlich gibt es noch viele weitere Möglichkeiten emotionale Stabilität zu trainieren, wie u.a. Yoga, Meditation, Achtsamkeitstraining und andere Körperwahrnehmungstrainings. Mehr dazu auch in meinem Buch „Rock 'n' Roll Therapy - Stress, Ängste und Krisen meistern“.

Zusammengefasst lässt sich sagen: üben, üben, üben und niemals aufgeben! Rock it!

boris pikula

Boris Pikula
Mental & Life Coach, Führungskräfte-Coach, Heilpraktiker für Psychotherapie, Fitnesstrainer, Autor

Praxis für Psychotherapie und Hypnose München www.praxis-pikula.de 
Mental & Life Coaching, Business- & Leadership-Coaching www.borispikula.com
Trauma & narzisstischer Missbrauch www.trauma-missbrauch.de

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